Dreiweibern 🇩🇪

Am Wochenende war ich mal wieder unterwegs zu einem Kurztrip in Sachsen, welcher etwas komisch begann. Ein Kumpel rief mich an und erzählte mir, dass er nach Dreiweibern fahre und ob ich Lust hätte mitzukommen. Noch nicht ganz klar, was das nun wieder soll, legte er nach: »Liegt bei Losa!« Willst du mich verars..en?, ging mir durch den Kopf und natürlich die Frage, ob jemand mit drei Weibern denn ein Loser sei, schaute aber gleichzeitig auf die Karte.

Tatsächlich gab einen Ort solchen Namens. Doch bin ich sehr verwundert dem Sorbischen. Tři Žony – ist zum schon irgendwie etwas Rassistisch. Klar sind wir drei aus irgendeiner Zone. Doch würd ich es nie so ranschreiben. Andererseits – woher wussten die?  Ist das eine Offenbarung über unser Kommen? Wenn da noch ein „r“ drin wäre, würde es mir einleuchtender erscheinen. Wobei – drei Zorny -schon a weng sexistisch klingt – Weiber, ja auch nicht wirklich umschmeichelnd…. Die Sprache ist schon oft verwirrend. Lassen wir das Nachdenken über das warum, weshalb, wieso und machen uns lieber auf den Weg.

Der Caravan Stellplatz liegt direkt am See. Er ist günstig mit 15€ die Nacht. Das schlägt sich allerdings im Komfort nieder. Die sanitären Anlagen beschränken sich auf eine Miettoilette im Stile einer Autobahnraststätte. So ist es sicher von Vorteil, und auch sicherlich so gedacht, dass ein Jeder seine eigene Komfortzone mitbringt. Eine kleine Beachbar mit schnulziger Musik lädt zum Trinken. Daneben ein Kiosk, welcher Essen anbietet. Dieser hat für heute leider schon die letzte Wurst verkauft. Mir scheint die Philosophie des Verkäufers – Es ist so lange offen, bis keiner mehr Verlangen hat. Dann wird geschlossen. Wer danach kommt – tja Pech. Ich kam danach. Ob es nun Pech oder auch Glück? Ich bin mir da noch nicht so ganz sicher.

Als dann das letzte Quäntchen Licht der Sonne verschwunden, Außerirdische auf der gegenüberliegenden Seite landeten wünschten wir uns gute Nacht.

Erste Sonnenstrahlen streichen übers tagesjungfreuliche Land und kitzeln an meinem Lied. Ein früher Fahrradfahrer zieht seines Weges. Ich drehe mich noch mal um. Hier scheint nichts zu sein, was frühes Aufstehen notwendig macht.

Als nebenan die ersten Lebenszeichen zu vernehmen sind, stelle ich mich zur Wahl derjenige zu sein, welcher zum Bäcker radelt. Dazu muss ich nach Weisskollm. Erst einmal über die kleine Spree. Schon hier kommt in mir die Vermutung auf, dass diesem Landstrich viele grundsätzlichen Veränderungen widerfahren sind.

Der Ort scheint noch genauso verschlafen wie ich. Doch der Schein trügt. Der Bäckersdame Nachtgebackenes schon fast gänzlich ausverkauft. Hier wird das Handwerk noch wirklich mit der Hand gemacht. Nicht jedes Brötchen nach EU-Norm gleich und aufs Femtogramm identisch vermessen. Dafür aber sehr lecker.

Nun erst einmal ein geruhsames Frühstück. Dann breche ich auf zu einer Erkundung der Gegend.

Am Campingplatz vorbei führt ein asphaltierter Weg, welcher um den See führen solle.

Zuerst kommt man in den eigentlichen Ort – Dreiweibern.

Dort finde ich die Bestätigung, dass die Landschaft wesentlich umgestaltet wurde.

Auch die Drei Weiber…

Der Ort ist friedlich und vieles lässt darauf schließen, dass man hier manchmal die Dinge einfach so belässt wie sie seit eh her. Was dieser Zaun, von dem hier nur noch Pfähle stehen, mag abgewehrt haben über die Jahrhunderte?

Die Wäsche hängt noch im Garten, die Obstbäume blühen – erinnert mich an meine Kindheit, wenn ich mal auf dem Dorf.

Ich fahre weiter. Am Abfluss zum Speicherbecken Lohsa II haben ein paar Gänse Nachwuchs. Ich schaue den Bibbele ein wenig zu, wie sie unerschrocken ins Wasser springen.

Ein leichter Wind fegt übers Land. Links von dem Weg ist alles Sperrgebiet. So bleibt nur der Weg an sich und das Seeufer.

Ich vermutete schon den Grund der Sperrungen. »In der Bergbaufolgelandschaft der Lausitz besteht auf ungesicherten Kippenbereichen die Gefahr von Setzungsfließbewegungen und Grundbrüchen.« Was für eine schöne Umschreibung, den Meisten eher nicht verständlich, dafür, dass hier einiges an vermeidlich festen Boden arg in Bewegung.

Ich komme nach Lohsa und möchte gleich am Eingang abbiegen. Doch auch hier alles gesperrt.

Was das hier mal war, ich weiß es nicht. Jetzt scheint es als so eine Art Freilichtbühne genutzt zu werden. Ich fahre weiter durch diese Art Park

und komme wieder zur kleinen Spree. Dieser folge ich.

Der Bahnhof lässt ein wenig Lieblichkeit vermissen. Doch lieber so als gar keiner.

Mein Plan ist eigentlich den Silbersee anzusehen. Doch dorthin kommt man nicht. Wieder nur überall Schilder, welche das Gebiet als gesperrt ausweisen. Ich bin sehr erstaunt. So komme ich durch eine DDR-Ferienhaussiedlung.

Am Zeltplatz dasselbe traurige Bild. Der Seezugang ist gesperrt.

Ich gebe ein wenig auf und folge der Straße Richtung Mortka. Rechts überall Sperrschilder.

In Mortka angekommen stellte es sich wie eines der unzähligen Dörfer dar, bis ich dann an dieser Burg landete. Wenn jemand von euch mal Burgfräulein spielen wollt….

Weiter die Straße entlang, kurz hinter dem Ort, sind dann die Sperrschilder endlich weg. Ich nehme den Weg und hoffe…

Es geht immer parallel dem Seeufer des Mortkasees folgend. Doch an den See darf man nicht.

Ganz im Norden kann ich doch noch runter. Wahrscheinlich ist hier aber nur das Schild verloren gegangen.

So komme ich nach Lohsa vorbei an der Kartbahn.

Am Strand kann ich schon den Campingplatz gegenüber ausmachen.

Ich fahre zurück über die Blumenwiesen.

Nicht zu übersehen, dass Frühling ist, oder?

Die Sonne taucht das Land in güldenes Licht.

Der Strand liegt einsam da.

Schon ist das Wochenende wieder vorbei.

 

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