Vogelstang – Feidene rockt 🇩🇪

Mannheim Luisenpark

Wieder mal in Richtung Mannheim. Wieder mal schickt mir die Bahn einen Verspätungsalarm. »Der Anschluss wartet nicht!« Wie jetzt? Der Zug fährt doch absolut pünktlich ein. Ich schaue nach und stelle fest, dass der Anschluss nicht nur nicht wartet, sondern gar nicht erst fährt. So lasse ich den Zug fahren und nehme ich den nächsten Direktzug. Dieser wird mich Mannheim 1,5 Stunden später erreichen lassen. Fahrplanmäßig geht es los. Vor Braunschweig steht vor uns ein Zug, welcher nicht fähig weiter zu fahren. Keiner der Anwesenden wundert sich. 20 Minuten Verspätung sind noch aufzuholen, wird uns versprochen. Weiter geht es durchs Land. Wir holen auf Minute um Minute. In Frankfurt Hbf wird durchgesagt, dass wir heute nicht am Flughafen halten werden, weil unser Zug kaputt ist. Bis jetzt schlägt er sich doch ganz gut, sinniere ich. ??? Ich freu mich, da wir so pünktlich in Mannheim sein werden. Tja leider sollte am Flughafen der Personal Wechsel stattfinden. Unser Lockführer springt aus der Lock, schließt die Tür ab und macht sich von Dannen. Wir stehen! Das Personal muss erst mal vom Flughafen hergebracht werden. 20 Minuten später geht es weiter. Die Meisten freuen sich schon, überhaupt noch anzukommen als eine rasante Bremsung den Zug stoppt. Irgend etwas auf der Strecke nahe Bürstadt sei kaputt, aber die Techniker seien auf dem Weg. Nach weiteren 20 Minuten ist dann der Techniker vor Ort und packt sein Werkzeug aus. Am Horizont der Schimmer der Lichter von Mannheim. Ich wollt‘s ja nicht glauben aber auch unserem Zug Team wurd‘s langsam zu bunt und sie suchten einen Ausweg. So fahren wir ein wenig zurück und dann über Worms. Ich mach mich schon mal auf den Zugbegleiter zu finden, um zu fragen was nötig ist zu tun, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Mein Nachbar kommt mit und wir erhalten einen Taxigutschein. In Mannheim hat sich unter den Taxifahrern schon rumgesprochen, dass alle Züge zu spät kommen werden. So stehen sie da und versuchen die Leute abzugreifen. Das mutet schon wie in Indien an. Gegenseitig werben sie sich Fahrgäste ab, wobei ein Jeder sicher einen Fahrgast bekommen wird. Unangenehm aber besser als wenn keiner da wär. In mir keimt der Verdacht, dass die ganze Fahrt für die Bahn nicht sonderlich profitabel gewesen sein kann. Wie nur soll das weiter gehen? Alles ist bis zum Letzten ausgequetscht und die kleinsten Vorkommnisse lassen das System zusammenbrechen.

Bei dieser unsäglichen Hitze mag der Aufenthalt in einer Stadt nicht besonders verlockend erscheinen. Der Weg führt erst einmal am Necker entlang. Anders wie in vielen urbanen Gegenden, sind dessen Ufer nicht bebaut. Weite Wiesen zieren das blaue Band. Alte knorrige Bäumen spenden notwendigen Schatten. Autos sind verbannt. In der Stadt laden einige Orte zum Verweilen.

Am Rathausplatz – hat da jemand einen Vogel?

Am Wasserturm

Im Luisenpark – wie auch der Baum steht ein alter Mann, beschaulich

Die Sonne gibt ihr Bestes. Wohl denk ich, dass es auch ein bissel weniger getan hätte. In einem der Nachbarorte gibt es einen See, der uns verlockend erscheint, bei diesem Wetter aufzusuchen. Kaum ist man ein paar Straßen durch den Ort gefahren erstrecket sich ein weites Feld. Mähdrescher schneiden das Korn. Blumen stehen am Wegesrand.

Schon bald erreichen wir den Ortsteil Vogelstang. Auch hier alles sehr beruhlich. Mitten im Orte der See. Wir vermuteten viele Leute an diesem. Weit gefehlt. Einige verteilen sich auf den großzügigen Wiesen. Grillen verboten Schilder deuten auf die große Dürre. Wir fahren einmal um die beiden Seen und gehen folgend ein wenig schwimmen. Da Wasser ist angenehm. Kalten Schauer suchet man vergebens.

Zurück kommen wir an einem Micro Agrarbetrieb vorbei. Dieser hat sicher auch das Ziel, ein wenig zu der Küche Vielfalt beizutragen aber der höhere Sinn ist, den Bienen und Hummeln ein vielfältig Sortiment an Blüten zu bieten, lesen wir auf einem Schild.

Im Dorfe sind heut einige Festlichkeiten. Zum einen das Brunnenfest. Der Brunnen steht wohl schon noch da, aber einen Tropfen Wasser wird man vergeblich versuchen aus ihm schöpfen zu können. Auch wenn der Eimer bereitwillig an der Kette hänget, so wird er doch stoßen auf den harten Beton, sollte jemand es versuchen. Heute stehen drum herum ein paar Bänke und Tische. Bier wird gereicht und ein paar Speisen. Beginnend tanzen ein paar Dorfes Grazien zu den Klängen von Paparazzi.

Abends, auf der improvisierten Bühne, spielen ein paar Musiker (Secret Three) aus der Stadt. Kinder sitzen auf dem Boden und schenken ihre ganze Aufmerksamkeit einer aus einem Gullideckel stehenden Schraube. Diese wird sich sicher freuen über die unerwartete Aufmerksamkeit, welche ihr zuteil, wo doch führhin die Meisten sicher nur fluchten, wenn sie über sie stolperten. Die Stimmung ist meistenteils gut, da man sich freut, dass irgend etwas ist los. Viel wird geredet über das was so geschehen. Nur uns gegenüber sitzen zwei alte Leut, welche nicht so glücklich erscheinen. Ich geb mal nur die Essenz des Gespräches wieder. »Isch scho a weng laut, de Musik« »Des soll a deutsch‘s Volksfescht sei mit nur englischer Musik?« Wir finden die Musik echt net schlecht. Irgendwie gehören wir noch nicht dazu.

So machen wir uns wieder auf. Fahren auf die Maulbeer-Insel. Ganz an der Spitze, wo der Kanal sich trennet vom Neckar, bildet die Silhouette von Mannheim sich ab, vor dem nahenden Sonnenuntergang.

Der Kanuverein feiert auch eine kleine Party. Alte Männer singen Lieder von Bakerman bis Bierleitung im Haus. Es ist zwar schön, dass es so etwas noch gibt, resümieren wir, aber ganz unser ist es nicht.

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