Schorfheide 🇩🇪

Mal ein Wochenende im Grünen. Der Berliner fährt gerne mal raus. In der Regel tun wir dieses für einen Tag. Aber jetzt möchte GG gerne irgendwo im Nirgendwo übernachten. Die Wahl fällt auf das Hotel Döllnsee-Schorfheide.

Leider ist uns bei der Buchung der Fehler unterlaufen, diese über ein Portal Namens boo….com zu machen. Immerhin kommt so zu Tage, wie hoch die Provision des Portals ist. Man kann dies finden wie man möchte, aber 37% ist nicht gerade wenig. Unglücklicherweise bezahlen wir diese nun drauf. Egal! Oder auch nicht. Mit diesen Gedanken noch im Kopf am Hotel angekommen, irony on> begrüßt uns die Dame vom Empfang in einer Art, dass ich mich schon auf den Rest des Wochenendes freue.</irony off

Wir bekommen ein Zimmer im Gesindehaus, ein wenig die Straße zurück. An sich ist es nicht schlecht. Vom Fenster sehen wir auf den See. Wir schlendern los. Die Sonne scheint wie schon lange nicht mehr. Die Strahlen reflektieren in den kalten Wassern der hiesigen Seen und verfangen sich in den vorjährigen Blüten des Schilfes. Kaum ein Grün zeigt sich dem suchendem Auge. Noch ist alles im winterlichen Zustand. Doch auch dem Ignorantesten kann nicht entgehen der Wind des Wandels, der hier über die Felder und Seen streift. Rund um dich spürst du die unbändige Kraft, die da treibet die zarten Blätter, um der Knospe harte Schale zu knacken. So umgeben schwinden mir relativ schnell alle Zweifel und ich tauche ein in das Gefühl – der Frühling liegt in der Luft.

Erst mal nach Templin. Eingemauert steht sie da, die kleine geruhsame Stadt in der Schorfheide. Heute tobt hier nicht der Bär, auch wenn buntes Markttreiben auf dem Stadtplatz ausgerufen ward. Ohne jede Hast versuchen ein paar Einheimische ihre rostigen Nägel an den Mann zu bringen. Weiter bewegt sich hier nichtes.

Auf der Agenda steht eine Fahrradtour um den Großdöllner See. Der Weg beginnt gleich neben dem Hotel. Beim Ausleihen der Fahrräder wird uns gesagt, dass es mehr Wanderwege seien.

Wir wähnen ein paar alte knorrige Wurzeln auf dem Weg. Erst geht es recht flott vorwärts. Dann kommt uns ein Wanderer entgegen, welcher uns großen Respekt zollt, hier mit dem Fahrrad langzufahren. Ich schaue ungläubig und lächele in mich rein. Die denken, alle Leute aus der Stadt können nur auf Asphalt fahren, grüße nett und fahre weiter. Nicht einmal 5 Minuten dauerte es, bis mir der Grund seines Zweifelns regelrecht in den Weg gelegt wurde.

Ein umgefallener dicker Baum mitten auf dem Weg. Wir also mühselig neben dem Stamm die Böschung hoch und auf der anderen Seite wieder herunter. Zwei Minuten weiter das gleiche Spiel. Nun aber war der ganze Weg nur noch ein Feld aus umgestürzten Bäumen.

20 Minuten stolperten wir durch das Unterholz dann ward es endlich ein wenig lichter. Fahren war wieder möglich. Am anderen Ende des Sees ankommend, kürzen wir radikal die geplante Route und beschließen nur einmal um den See zu fahren. Der Weg am Südufer ist sehr bequem mit dem Fahrrad zu meistern. An seinem Rand stehen alte Wegweisesteine. Auf jedem Dieser, ist eine Zeile ausgekratzt. Mysteriös. Wir passieren so etwas wie Torflügelmauerreste. Groß und imposant. Aber hier mitten im Walde? Geradeaus führt nun der Weg auf eine Hinweistafel. Carinhall. Davon hatte ich mal einen Bericht gelesen. Hier ist es nun also. Der Sommersitz eines der skrupellosesten Nazis.

Uns ist irgendwie anders. Wir wollten unschuldigen Wald und kommen an diese geschichtsträchtige Stelle. Ja – was kann nur der arme Wald dafür? Allenthalben geht es mit gemischten Gefühlen weiter.

Die Speisekarte für unser Abendmahl zauberte uns ein Lächeln ins Gesicht, wie auch das folgende Speisen.


Nach dem reichhaltigen Frühstück versorgten wir uns im Gut Gollin mit leckeren Sachen für den Tag und den Abend.  Interesse weckten auch die neuen Baumhäuser. Leider sind sie preislich eher genauso angesiedelt, wie ihre Lage über dem Boden.

Von Ahlimbsmühle startet unsere heutige Wanderung. Der erste See ist •der kleine tiefe Grund• An dessen Ufern ist es äußerst gefährlich zu Wandern. Nicht für uns! Die Kröten haben gerade ihre Begattungswanderung begonnen um der Kinder Schar dem Teiche anzuvertrauen. Gleichwohl vertrauen sie ihrer Tarnung und versteinern, wenn sie Gefahr vermuten. Dir wiederum obliegt die Verantwortung sie im Laub auszumachen und deinen Fuß auf eine nicht besetzte Stelle zu setzen.

Sind es die Damen oder die Herren, die es sich bequem auf dem Rücken machen und zum Teiche geschleppt werden? Dieses Gespann ist nun überhaupt nicht mehr wendig und schon gar nicht flink. Die Verbindung kurzzeitig aufzulösen kommt auch nicht in Frage. Verbissen, im wahrsten Wortes, schauen sie Beide regungslos der Gefahr ins Auge. Nur ein kleines zartes angstvolles Quiiiiqu ist zu vernehmen. Was das heißt weiß wohl jeder der in seinem früheren Leben einmal eine Etappe als Kröte absolvierte.

‡Oh Scheiße! Das Leben fliegt in Erinnerung an dir vorbei. Es gibt kleinen Ausweg. Wie bin ich nur hier rein geraten? Mitgegangen Mitgefangen. Schockstarre. Augen zu. Hoffen. Wenigstens bin ich nicht allein‡

Durch den Wald weiter zum Stabesee, zum Libbesickesee, zur Endmoränenlandschaft, zum Lübelowsee. Wir wetteten ob wir jemand auf unserem Weg begegnen würden. Tatsächlich fanden wie Zwei in einem Kahn. Sonst 4 Stunden nur Wald, See, nen paar Vögel und wir.

 

 

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