Richtung Sao Leopoldo 🇧🇷

Brasilien [Santa Catarina / Rio Grande do Sul]

Florianoppolis-Porto Alegre

11 Boardkarten und ein Busticket

Joe: Der Wecker klingelt. Mio Dio! Das war nicht genug Schlaf. Quäl mich aus dem Bett und unter die Dusche. Komisch ist noch stockfinster. GG. kommt ins Bad. Sie sieht nicht wirklich munter aus und sagt:”wollte gerade das Rollo hoch machen. Es ist total dunkel draußen”. Ich gehe zurück ins Zimmer. 4:30Uhr? Warum zur H.. stehen wir so früh auf? Die Zeit im Handy, das uns weckte, war noch nicht umgestellt. Also nochmal für drei Stunden zurück ins Bett. Das hört sich schon besser an.

Florianoppolis

Von Vorn. Aufstehen, packen, frühstücken, zu Busstation.
Einchecken funktioniert wie beim Flughafen.

Es gibt auch einen extra Warteraum. Wir haben den Luxusbus gebucht und darin die Luxusklasse. Sehr bequem und komfortable mit eigenem Kühlschrank und Wlan.

Florianoppolis-Porto Alegre

Das ist toll, mal so durch das Land gefahren zu werden. Alles ist sehr grün mit Lagunen, die umsäumt sind von Bergen. Viele kleine Farmen liegen am Wegesrand und von Armut ist auch nichts zu sehen. Es ist gar nicht so verschieden von Europa oder Nordamerika. Der auffälligste Unterschied sind die in allen Farben blühenden Bäume. Daran könnte ich mich gewöhnen.
Nach drei Stunden gab es einen Stop. Da war eigentlich nichts als ein Einkaufszenter mit angeschlossener Bespeisung. Wir schlenderten ein wenig rum. Ist so ein Platz, der nur lebt wenn wieder ein Bus kommt und die Insassen hinein spuckt, um sie in kürzester Zeit wieder aufzusaugen und von hier weg zu bringen. Das passiert selbstverständlich am laufenden Band, weil jeder Bus der diesen Kontinent befährt, hier vorbei kommt. Gemütlich oder natürlich gewachsen ist das nicht. Am längsten hielten wir uns in einem Schmuck- und Taschenladen auf. Es gibt immer so lustige Sachen und die Verkäuferinnen, die dir hier auf Schritt und Tritt folgen, mussten auch schon schmunzeln über unsere Freude. Auf einem T-Shirt stand wild – Young – free. Ich sagte: “na das in der Mitte sollte ich wohl streichen”. GG. meinte nur: “das ganz unten auch bald”
Weiter ging es auf die komfortabelste Weise. Angekommen im Busterminal, begrüßte uns die Stadt nicht mit besonderes lieblicher Architektonik, sondern eher mit einem gerade noch dem Zweck entsprechenden Bau, welcher von den ständig umwabernden Dieselwolken geruchlich wie auch farblich geprägt wurde. Unser Bus passte nicht so richtig ins Bild, obgleich ein gut betuchter Brasilianer ihn wohl nicht nutzen würde, stach er aus der hier sich aufhaltender Bevölkerungsschicht hervor. Unser Gastgeber wartete schon sehnsüchtig auf uns und auch wir sind erfreut hier nicht mutterseelenallein zu sein. In der Stadt war irgend was los, eine Demo gegen steigende Preise, was dazu führte, die Straßen noch voller zu machen als ohnehin üblich. Daher fahren wir mit dem Zug. Bei mir stellte sich große Freude ein. Nein wirklich – das wollte ich unbedingt und hatte schon gar nicht mehr damit gerechnet, es zu tun. So ein großes Abenteuer wie ich mir erträumte, war es dann doch nicht. Der Zug, der uns vom Bahnsteig aufklaubte, war nagelneu. Es waren auch nicht die Ärmsten der Armen an Bord. War wie ´ne janz normale S-Bahn in Berlin. Der große Unterschied war, dass hier nur eine Linie fuhr, die alles notwendige miteinander verband. Das ist nicht unbedingt als Nachteil zu sehen. Besonders nicht wenn man fremd ist. So bleibt nur noch die 50-50 Chance, in die falsche Richtung zu fahren.

Angekommen in Sao Leopoldo wurden wir herzlich aufgenommen und bekocht. Das ungewöhnlichste verbarg sich hinter einem Brett an der Wand in der Küche. Ein kleiner Rückblick verrät schon was es sein könnte. Unser Gastgeber fragte, ob wir schon mal so ein richtiges brasilianisches BBQ gemacht hätten. Ich: “natürlich nicht” und schau so unauffällig wie möglich aus dem Fenster, wo es grade wieder zu regnen anfängt, denke aber bei mir: “wie soll das bei dem Wetter gehn”. Die Lösung verbarg das schon erwähnte Brett und den dadurch verdeckten Raum. Die haben hier einen Grill mitten in der Küche.

Porto Alegre São Leopoldo

Wie genial ist das denn? Du schüttest einfach ein wenig Holzkohle in das Loch und wirfst einen Anzünder hinterher. Schon lodert ein Feuer in der Küche, was sicher alle Männer seit Beginn der Evolution begeistern würde und gleichzeitig dazu animieren, ein Stück des gerade erlegten Wildes auf irgendwas zu spießen (hier hat es sicher einigen Fortschritt gegeben) und hinein zu halten. Wenn ich nun ehrlicherweise zugebe, dass das, was wir da reinhalten nicht von uns selbst oder von einem unserer Gruppe waidmännisch erlegt worden ist, tut das der allgemeinen Begeisterung keinen Abbruch. Es gab also Fleisch und Würstchen. Die letztgenannten werden hier nicht in Senf oder Ketchup ertränkt, sondern irgendwie in Maniokmehl gewälzt wie ein Schnitzel beim Panieren. Dazu gibt es Kartoffelsalat und Reis. Ruccola schmeckt hier viel würziger. Zum Nachtisch gab es ein Kuchen aus Kokosraspel. Der Rest des Abends unterschied sich nicht von den allgemeinen Gepflogenheiten unserer Breiten. Quatschen, trinken, duschen und ins Bett.

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