Marseille (1) 🇫🇷

Wieder einmal wollen wir nach Marseille. Zum einen wegen der Landschaft drumherum, zum einen um Freunde zu besuchen und auch irgendwie diese chaotische Stadt zu erleben und nicht wirklich mehr betroffen davon zu sein.

(🇬🇧 Translate article)


Die etwas beschwerliche Anreise:

GG fährt von Mannheim, ich von Berlin. Das in einem Satz zusammengefasst, klingt sehr einfach. Doch erst einmal sollt man die Möglichkeiten des Reisens herausfinden und dann noch buchen. Von Mannheim fährt ein Zug direkt durch. Das klingt einfach. Als GG bestätigte, lieber mit dem Zug zu fahren, waren alle, ja alle Zugverbindungen rückzu ausgebucht. Innerhalb der halben Nacht. Was ist denn da los? Ich buch’ erst mal den Zug hin und dann zurück… bis Straßburg ist ja fast zu Hause. Ich wage bezweifeln zu wollen, dass GG das genauso sieht.
Bei mir hingegen sind gar nicht so viele Möglichkeiten. Einzig Ryanair fliegt direkt. So buche ich das. Wirklich billig ist das nicht.
Ich sitze am Sonntagmorgen noch auf der Terrasse und denke an nichts Weltbewegendes. Das wird heut einfaches Verreisen. Meine kleine Tasche, schnell gepackt. Was brauch’ ich schon? Nach dem Mittag, saß ich immer noch in der Herbstsonne, welche noch so richtig zu wärmen vermag und in mir kam der Gedanke auf – heute mal so ganz gemütlich. So schnapp’ ich mein Täschchen und tingele am Fluss entlang zur S-Bahn. Es geht also los und ich hab für meine Verhältnisse viel Zeit.

Zwischen Alexanderplatz und Janowitzbrücke kommt die Bahn zum Stehen. Passiert ja immer mal wieder. Aber nicht so lange. •Bahnhof ist noch• belegt, hieß es. Dann •Polizeieinsatz•. Nochmal 20 Minuten später vom Triebwagenführer: •was isn hier los – ick versteh dit nicht!• Ich sitze da so drinnen und die verbleibenden Sekunden bis zum Schließen des Gates – erst so im Überfluss und nun gar rar – verrennen. Irgendwie schaffen sie es nach 50 Minuten die S-Bahn rückwärts fahren zu lassen. Für einen Fahrgast in der S-Bahn ist das an sich nichts Besonderes. Da sitzt mal ja sowieso mal so oder andersrum drin. Aber mitten auf der Strecke wenden – selten bis gar nicht. Die eine Stunde ohne Bahnverkehr hatte im Bahnhof Alexanderplatz schon seine Spuren hinterlassen. Der Bahnsteig der Regionalbahn – knackend voll. Der Zug kam auch nicht leer an. Machen wir es auf die gewöhnliche Art. Tasche schnappen vor dem Bauch, Augen senken und rein in die Presse. Züge sind ja schon ab und zu voll, doch das hier. Glücklicherweise hält er nur zwei Mal. Von der Wagonmitte zur Tür schafft man nicht innerhalb diese Zeit und so muss an jeder Station 5-10 Minuten mehr eingeplant werden.
Egal. Ich komme am Flughafen an, sage den vor mir gequetschten, dass ich arg wenig Zeit übrig habe, um vorgelassen zu werden. Raus aus dem Bahnhof und raus aus dem Terminal 1 gerannt. Habe noch 15 Minuten bis zum Schließen des Gates. Rein ins Terminal – kleine, etwas unfreundliche Abkürzung bei der Sicherheitskontrolle – noch 5 Minuten. Renne durch die Creme Abteilung und suche meinen Flugsteig auf der Tafel – »Marseille – Gate wird in 20 Minuten bekanntgegeben«.
Klar!
Eben noch auf 180 und all das umsonst? Mein Körper protestiert ein wenig. Wozu das Gehetze? Nur weil du nach Marseille wolltest. Ich frage ihn, was er denn sonst so vorhatte. OK – Das mit dem Planen ist nicht so sein Ding. Ich mach’s wie immer und lob ihn ob seiner jugendlichen Fähigkeit und hau nen bissel Adrenalin raus. Er kriegt sich wieder ein / ich auch. Heute möchte ich ihn nicht noch ein zweites Mal gegen mich aufbringen und überlege – Na ja – die Essensfrage an sich. Ein paar Süßigkeiten – alles andere scheint direkt aus dem Kempinski zu kommen – also dem Preis nach zu urteilen.
Nach 20 Minuten ändert sich erst einmal nichts. Nach 30 bekomme ich eine Message. Voraussichtlicher Start – 40 Minuten Verspätung. Keine Sorge – das war es noch nicht. Das merkwürdigste, was ich während des Wartens erhielt, war ein Gutschein von Ryanair. Hä? Da stand aber nicht mal wofür oder wie viel. Immerhin die ganzen Partner. Machen wir es nicht wahnsinnig spannend und lösen dieses Wunder auf. Der Flug fliegt natürlich nicht 40 Minuten später, sondern 2h. Dafür gibt sich die Fluggesellschaft äußerst großzügig. Ich geh’ also zu solch einem Kiosk da im Flughafen und frage nach dem Gutschein. „Ja – ich nehme!“, sagte die nicht muttersprachlich deutsch zuzuordnende Verkäuferin. Schön, sage ich, doch was beinhaltet dieser Gutschein? „Ja – ich nehme!“, erhalte ich mit freundlichem Lächeln als Antwort. Mit einigem Hin und Her und dem Bemühen von Händen und Füßen scheint es so zu sein, dass der Gutschein einen Wert von 4€ hat. Das war schon mal nicht einfach. Klar ist die nächste Aufgabe zu eruieren, was man hier für 4€ bekommt. Das Lächeln der mir gegenüber verschwand im suchenden Blick. Fieberhaft scannte sie ihr Sortiment. Plötzlich erschien das Lächeln wieder »Kannst alle kaufe, ich minus 4€.« Grandios! Zwei Stunden später riefen sie zum Einchecken. Ich weiß nicht, ob ihr’s wisst, die Flughäfen machen das nicht vor Ort, sondern irgendwo in der Cloud. Ich verstehe alle Versteher dieses Gedankens, dass sich gerade Fluggesellschaften in den Wolken bestens bewegen, doch heuer hat ein Hacker das System einfach mal am gehackt. Die Bordkarten werden also mit dem Handy gecheckt. Ich, der ein größeres als ein ganz klitzekleines Gepäck mitnehmen wollte, durfte das natürlich gegen ein entsprechendes Entgelt tun und bekam sozusagen als Geschenk – priority! Geil, ich durfte mit als erster rein und dafür eine Stunde dort warten. Ich habe es schon nicht mehr geglaubt – wir gehen zum Flieger. Die außerplanmäßigen Stunden hat mir Ryanair mit 4€ doch reichlich entlohnt! Alle sitzen und das Flugzeug ist bereit. »Hier sprich der Kapitän – unser Flugfenster ist in einer Stunde und zehn Minuten«

Ich habe ein Mietwagen am Flughafen gebucht. Das Office ist nur bis 22:30 geöffnet. Ich versuchte nach der zweiten Verspätungsanzeige (2h) denen mitzuteilen, dass es etwas knapp werden könnte. War nicht ganz einfach, aber es hat geklappt. Der Deal – »Ich warte, doch wenn du zu spät kommst, zahlst du 100€.« Ich komm’ dann doch erst Morgen Vormittag. CarRental: »Da brauchst du nicht mehr zu kommen. 6h nach gebuchter Abholung fliegt es aus dem System.«
Ich stellte mich noch darauf ein über den Flughafen zu rennen, ja und auch irgendwie 5 Minuten vor Ladenschluss jubelnd einzutreten – also als so eine Art Wettkampf. Ich hoffte, der da im Office sieht das genauso. Na ja – mittlerweile muss ich jetzt froh sein, wenn der für 100€ wirklich noch da ist.

Jetzt kommt die Stewardess und möchte mich daran erinnern, den Tisch einzuklappen. Ich schaue erstaunt auf und frage ungläubig »Wir fliegen los?« – »Ja« – »Echt?« – »in 10 Minuten!« Wow, wie die Zeit vergeht.

Dann kniet sie nieder im Gang. Ich vermute, dass sie uns allen die Füße küssen möchte für das erlittene Ungemach.


Die Stadt ändert sich ständig. Hier wird versucht, den unsäglichen Verkehr zu bändigen. Zum einen wurde eine Umgehungsstraße gebaut, zum anderen die Hauptstraße durch die Stadt gesperrt.  Ich finde es gut, solange du nicht auf das Auto angewiesen bis. Alles drängt sich durch kleine Straßen. Mehr stehend als fahrend. Am meisten hat mich verwundert, dass sie das in dieser Stadt durchsetzen konnten.

Zum Sonnenuntergang zur Basilique Notre-Dame de la Garde zu gehen, hat schon so etwas wie Tradition.

Hier sitzen so einige. Manche bringe sich Wein und was zu knabbern mit und genießen das Schauspiel.

Wir tingeln zurück durch die ins letzte Sonnenlicht getauchte Stadt.


Am Morgen gehen wir runter zum Pardo, mit der Idee unser ehemaliges Quartier an der Joliette zu besichtigen. Erst einmal über den Trödelmarkt. Ein paar Studentinnen sammel für einen Ausflug und ‚verkaufen‘ dafür Rasierschaum. Finde ich etwas merkwürdig. Aber egal – ein paar Euro machen mich nicht arm, zumal ich dafür ein Lächeln bekam.

An den Terrasses du Port füge ich mich harmonisch in die Farben ein.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*