Mannheim-KuMa 🇩🇪

Wieder einmal schlägt es und nach Mannheim. Heute ist Frohenleichnam. Da wird in dieser Gegend mit Blumen durch die Straßen gezogen. Vielerorts sind Blumenteppiche zu finden.

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Auf dem Marktplatz findet dann die Abschlusspredigt statt. Interessant und sehr inkludierend finde ich, dass mehrere Religionen zu Wort kommen dürfen. Ob das nun Juden sind, Vertreter der islamischen Gemeinde oder Gruppen welche in Afrika ihre Wurzeln haben. Im Grunde wollen wir doch alle doch dasselbe. In Frieden miteinander leben. Solche religionsübergreifende Wertschätzungen wünsche ich mir viel öfter.

Auch Gruppen, welche ursprünglich aus unseren Nachbarländern kommen, nehmen daran teil.

Die Blumenteppiche.

KuMa

Wir schlendern an der KuMa vorbei und denken, warum nicht? Ein wenig unterkunstet sind wir schon. Es ist noch nicht so lange her, da sah ich in Berlin-Wannsee ein Plakat, auf welchen die Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ angepriesen wurde. Schon verwundert, dass das nun ausgerechnet in Wannsee stand. Die Ausstellung ist vorbei, doch sollen noch einige Exponate vorhanden sein. Schaun wa mal.

Starten wir mit der Ausstellung von Tavares Strachan „Supernovas. Der Künstler ist auf den Bahamas geboren und macht für mich einige schon etwas verrückte Sachen. So ist er mal in die Antarktis gefahren und hat von dort einen 4,5 Tonnen schweren Eisblock mit nach Hause genommen, eine eigene Encyclopedia Britannica kreiert und auch ein Kosmonautentraining absolviert. In diesem Werk möchte er Dunkles ans Licht bringen. Es ist eine Schilfhütte. Innen an den Wänden hängen Noten und Lampen beleuchten sie rhythmisch.

 

Tavares Strachan – Jah Rastafari with Rice Field

Der Künstler liebt das Zusammenspiel der Sinne, wenn ein Material zum Objekt wird. So soll wohl auch der Geruchssinn einbezogen werden. Ich weiß zwar nicht wie ein Reisfeld riecht, aber irgendein Geruch wird kognitiv kreiert.

Dieses Werk trägt den Titel Almost Gone. Ich stehe fragend davor. Was war da mal und ist nicht mehr? Der Eisberg? Und sonst?

„Die Fähigkeit zum kritischen Denken ist in Gefahr“, behauptete der Künstler. Da gehe ich mit ihm konform. Doch eine Frage kreist in meinem Kopfe. Möchte er nun wirklich, dass ich kritisch über das Werk denke und wenn ja, möchte er auch, dass ich mich dahingehend äußere?

Im nächsten Raum sind Bronzeköpfe mit unterschiedlichsten Frisuren. An der Wand hängt eine Leinwand, welche mit „beflocktem Haar“ versehen ist. Die Figuren finde ich ja sehr schön. Auch, dass uns damit die verschiedensten Haarstile nähergebracht werden. Doch die Leinwand? Das geht wohl wieder in die Richtung, alle Sinne mitzunehmen.  Gerochen habe ich nicht daran

Wir kommen in den nächsten Bereich, welcher sich mit Unsichtbarkeit beschäftigt. Dieses bedeutet womöglich nicht nur die nicht Erwähnung der unterschiedlichsten Ereignisse, sondern auch wie darüber gesprochen, wie es zum Allgemeinwissen zugeführt, wie es geleert wird.

Hier ist indessen die oben erwähnte Enzyklopädie. Es ist schon erstaunlich, wie wenig die Ereignisse außerhalb der westlichen Welt Einzug in die Enzyklopädie gefunden haben. Der Künstler versucht dieses zu ergänzen, um die Unsichtbarkeit aufzuheben.

So richtig unsichtbar ist das Geschehen außerhalb unserer Welt ja nicht. Besonders wenn man wie ich viel reist. Liegt es daran, dass in unseren Heimatländern nur der Wille fehlt zu sehen. Da draußen ist es auf jeden Fall – mannigfaltig.

Jetzt betreten wir den Teil, welcher Teil der Ausstellung „Die Neue Sachlichkeit“ war.

Otto Dix – Streichholzhändler

Sachlichkeit? Das Bild gehörte zu der Reihe der »Krüppelbilder«. Worin besteht nun die neue Sachlichkeit? Wohl nur daraus, dass das Kind nicht wirklich glücklich aussieht. Das nicht immer alles toll, einfach und reich ist. Tja, die goldenen Jahre hatte wohl auch noch solche, die diese nicht so gülden empfanden.

Christian Schad – Hermine Schellenberg

OK – ich fand das Bild einfach nur schön. Eigentlich sollt diese ja reichen. Doch manchmal – ja wirklich nur manchmal – lese ich nach. Hier eher der Zusammenhang mit der Ausstellung, welcher mich interessierte. Es gab wohl von dem Künstler eine Wende zum Lieblichen und versteckter Erotik. Eine attraktive Frau, gut dargestellt, ist sicher irgendwie immer etwas erotisch. Bedeutet das, dass wir nur noch die Frau an sich sehen und alles andere, was sie ausmacht, vergeblich auf dem Gemälde suchen.  Ehrlich, das geht mir bei fast allen Porträts so.

Max Beckmann – Fastnacht

Das ist sachlich. Reduziert auf das Nötigste.

Sascha Wiederholt – Jazz Synphonie

Das nächste Werk kann ich nun gar nicht einordnen in die Sachlichkeit. Das bedeutet nicht, dass es nicht wohlgefällig. Aber sachlich? Eher futuristisch, euphorisch, hungrig nach Farbe, Leben, mehr.

Eugen Knaus – Rheinbrückenauffahrt

Dieses Werk ist für mich die neue Sachlichkeit in Reinstform. Nichts ist näher an der Realität. Nichts ist schöner dargestellt als es ist.

Max Beckmann – Große liegende Frau mit Papagei

Ich füge Euch mal die Beschreibung dazu ein:

Max Beckmanns »Große liegende Frau mit Papagei« zählt zu den Arbeiten, die nach seiner Flucht vor den Nationalsozialisten 1937 im Amsterdamer Exil entstanden und zeigt die typische Handschrift des Künstlers: Der ausgestreckte Frauenkörper ist von kräftigen schwarzen Konturen umgeben, die Szene selbst in eine intensive Farbigkeit gehüllt. Die räumliche Situation und die Perspektive der Darstellung scheinen dabei aufgelöst und sind nur schwer zu bestimmen.

Allerdings bleibt der erotische Charakter des Bildes unverkennbar. Halbnackt im Schlaf wird die Frau den Blicken des Betrachters preisgegeben; ihre entblößte Brust ist sexueller Reiz und verführerisches Moment zugleich. Aber das ist nicht alles. Auch der grüne Papagei am linken Bildrand lässt sich als sinnliches Symbol interpretieren. Und selbst das eher unscheinbare Buch auf dem Tisch wird zu einem weiteren erotischen Zeichen. Beckmann bildet hier das 1822 veröffentlichte Werk »Über die Liebe« des französischen Schriftstellers Stendhal (1783–1842) ab, in dem dieser ausführlich über die Anziehung zwischen den Geschlechtern schreibt.

 

Als ich an dem Notausgang vorbeiging, da überlegte ich ein wenig, ob das ein Kunstwerk dieser Ausstellung mag sein oder nicht. Man weiß ja nie. Schlicht, minimalistisch, sachlich ist es allemal.

Wir verlassen jetzt die Sachlichkeit und kommen in einen neuen Teil der Ausstellung

Pol Bury – Erectiles

Ist mal etwas anderes. Diese Finger, oder was immer das sein soll, bewegen sich tatsächlich.

Gianni Colombo – Strutturazione pulseante

Da komm ich wieder an die Grenze der Kunst und das, was möglicherweise dahinter ist. Styroporblöcke aufeinander gestapelt.

Naum Gabo – Lineare Konstruktion im Raum Nr 4.

Irgendwie schön – einfach so.Ernst Reinold – Sisyphos

Hier noch ein paar Ausstellungsstücke. Manche davon bewegen sich und manche sind ganz schön laut.

Laure Prouvost – Moother

Wir schlenderten weiter. Plötzlich gab uns eine Angestellte den Hinweis, hinter den Vorhang zu schauen. Unsicher fragte ich nach. Ja -Ja dort, sagte sie mit einem verschmitzten Lächeln. Komisch, ich wäre nie auf den Gedanken zu kommen dort langzugehen. Ich sah dann dieses und verstand. Mütterlicher geht es ja gar nicht mehr. Wie viele Kinder könnte sie gleichzeitig stillen. Ach – rückblickend war ich mit meiner Mutter mehr als zufrieden.

Joachim Brandau – Die frühen Polyesterskulpturen

Das diesen Kunstwerken so viel Raum gegeben wird.. Meine Reaktion war eher so, wie nachfolgendes Kunstwerk.

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Kommen wir zum nächsten Themenpunkt – Risse in der Geschichte – Im Denken wie auch Tatsächlich

Anselm Kiefer – Schwarze Flocken / Die große Fracht

Stellt wohl die unsäglichen Taten der Menschheit dar, welche eigentlich unaussprechlich und doch gehören ausgesprochen – wohl wissen, dass der Mensch niemals wird lernen aus seinen Taten. Schon blöd!

Franz Gutmann – Einbetonierter

Als ich das sah, kam mir als Erstes die Lösung vieler Probleme auf Mafiaart in den Sinn. Nur fraglich, ob den dort wirklich jemand einbetoniert ist. Echt pfiffig, diese Art der „Entsorgung“ auch noch als Kunst abzutun.

Zanele Muholi – Zonk’zizwe, green Market Square

Im Grunde könnte dieses Kunstwerk durchaus in der oben abgearbeiteten Rubrik des Ungesehenen einen Platz finden. Dort, wo ehemals Sklaven verkauft wurden, werden heute afrikanische Masken an Touristen verscherbelt. Ändert es etwas an der Sichtweise der Europäer? Oder besser gefragt, werden die Einheimischen sichtbarer?

Diamond Stingly – Elephant Memory

Sollte es zeigen, dass sich der Elefant an sein angekettetes Sein erinnert? Nur daran?

Emma Talbot – In Stars, Datura

 

Winfried Otto – Laternenbild in St. Pauli

Was ein Kontrast, spielende Kinder vor Anschaffenden, welches diesen Ort als Normal darstellt. Eventuell ist es auch so für dort Umherziehende. Für mich eher nicht der Ort, wo ich mit meinen Kleinen spielen geh.

Verlassen wir die KuMa. Wieder einmal haben wir viele Dinge gesehen, welche sicher des Nächtens noch im Kopfe in Bearbeitung werden sein.

Wir ziehen ins SOI 39 einem thailändischen Lokal mit genau zu reservierenden Zeitfenstern. Wie isst man das? Das Blatt falten und die gewünschten Zutaten einfüllen. Das ganze dann in den Mund. Lecker!

Auf dem alten Meßplatz noch etwas Musik – das war’s dann für heute.

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