Madeira – Reisen in Zeiten von Corona 🇵🇹

So nun geht es trotz Corona los. Es war nicht einfach – oder doch eher sehr – sich zu entscheiden. Die sichersten Reiseziele sind momentan Azoren, Madeira und Tiflis. Zu den Azoren kommt man nur über Lissabon und das hatte eine sehr sehr hohe Inzidenz, als ich den Flug buchte. Einzig Madeira bot an, einzureisen und den PCR Test am Flughafen zu machen. Ich habe keine Lust auf wilde Organisationsorgien. Allenthalben waren wir schon mal auf Madeira und es war schön.

Abgesehen davon ist der Abflug vom BER etwas Neues. So richtig gefreut habe ich mich nicht darauf. Wieder einmal vermisse ich TXL, den ich mit dem Fahrrad erreichen konnte.  In Schönefeld angekommen, gehen wir erst einmal in das Terminal. Ich würde nicht sagen, dass es absolut Menschenleer ist, doch es ist so das Gefühl eines ungemochten Provinzflughafens in der Luft. Alles geht behäbig von sich. Kein Kindergeschrei schleicht durch die Gänge, keine lachenden Touristen. Wir wollten keinen Koffer einchecken und so gehen wir einfach mal geradeaus. Dort werden wir auf die Sicherheitskontrolle 1 verwiesen, da sie zwar geöffnet doch ohne was zu tun. Ich hätte stutzig werden sollen. Doch ich gab mich dem freudigen Gefühl hin, die Kontrollen ohne Drängelei und Schlange meistern zu können. Wir kreuzen also den kompletten Flughafen und erreichen die Kontrolle. Das war echt witzig. Alle Bänder waren besetzt, also ich meine mit Personal, doch kein Fluggast. Noch freute ich mich. Das Erste was mir aufstieß war die Warteschlangenabsperrung. Also dieses tolle Band was sich mäandernd durch so manchen Flughafen zieht. Es war vollständig aufgebaut. Ich ziehe also mit meinem Köfferchen an den wartenden Kontrolleuren vorbei, wende gehorsam dem vordefinierten Weg des Bandes folgend und präsentiere meine andere Seite. Die Augen der wartenden Kontrolleure verfolgen mich. Ich werde jetzt mutig und unterschreite das Band, kürze somit ungefähr 500m ab und lege meinen Koffer bei der sehnsüchtig Wartenden auf den Tisch. Sie fragt, ob ich etwas zu Essen dabeihabe. Klaro! Ich muss das alles auspacken. Was soll das für einen Sicherheitsaspekt abdecken? Wasser habe ich keins dabei, denn ich unterstütze doch herzlich gerne die Shops nach der Kontrolle. Also nun liegt meine Trailmischung Nüsse und die 5 gekochten Eier in dieser Kiste. Die Kiste wird abgeholt und gesondert kontrolliert. Ich denk noch, die am Nachbarband brauchen auch halt was zu tun. Wenn ihr vermutet das wars, so liegt ihr falsch. Es werden noch alle Dinge die ein Kabel dran haben oder dran haben könnten in eine extra Box gepackt. Dann alle Jacken aus und den Gürtel raus. Hinter mir ist immer noch keiner. Nun kommt der Scanner und das Band zu aufgrabbeln meiner 10 gefüllten Plastikkisten. Ich lass mir jetzt auch mal Zeit, denn es ist ja schließlich nicht  meine Idee mein Hab und Gut so zu verteilen. Nebenan ist GG. Sie steht da, wie gerade ausgeraubt.  Barfuß und ihre Kleidung ist überall verstreut. Auch ihre elektronischen Geräte schwirren rum. Da seh ich einen Kontrolleur, der jede einzelne Erdnuss ihrer mitgebrachten Erdnusstüte abtrastet. Einer kehrt ihre Handtasche zu Oberst. Am Ende häufen sie GG ganzes Zeug am Extra-Kontrolltisch und sagen: „Alles ok. Machen sie sofort den Tisch frei, ich muss weiterarbeiten.“ Ich steh so ein paar Meter weg und überlege mir, wie dieser Flughafen funktionieren soll, wenn normaler Betrieb herrscht. Die sind schon bei zwei Fluggästen am Limit. GG ist ein wenig im Stress. Ich kann ihr da nicht helfen und nur mein beruhigendes Lächeln aufsetzen. Ist ja hinter einer Maske vorborgen.

OK wir sind durch und haben noch mindestens eine Stunde Zeit. Die große Halle beeindruckt mich nicht. Was für schöne Flughäfen habe ich gesehen, welche nach diesem angefangen worden sind zu bauen und vor diesem fertig waren. Hier ist nichts, was dich inspiriert länger zu verweilen. Selbst die Läden sind geschlossen. Mit Ausnahme des Asia Imbiss – natürlich.

An unserem Flugsteig angekommen werden wir schon begrüßt. Erstaunlich. EasyJet hat ja ab Februar neue Gepäckvorschriften. Das meint, deine kleine Handtasche darfst du wohl noch mit in die Kabine nehmen, alles andere solle bitter bezahlt werden. Für einen Koffer kannst du locker 80€ berappen. Die andere Möglichkeit ein normales Handgepäck mitzuführen, welches plötzlich ein Großes ist, wenngleich mein Koffer noch derselbe, ist einen Sitz mit mehr Beinfreiheit zu buchen. Damit kommen wir auf 100€ Zuzahlung. Hey aber das Speedy Boarding ist inkludiert. Immerhin teilt uns die Dame am Schalter mit, dass easyJet hier nun den Service bietet diesen nicht zu bieten. Also absolut nix gibt es an Bord. Schnell holen wir noch ein wenig Wasser.

Jetzt wird aufgerufen und das erste Mal bin ich bei Speedy Boarding dabei. Was hat es gebracht? Anstelle draußen im Terminal in der Schlange zu stehen, stehe ich hier in dem kalten zugigen Rüssel. Irgendwann haben alle in den Flieger gefunden und es geht los.

Ich mag ja nicht wirklich immer nur auf negative Aspekte schauen, doch irgendwie bin ich gerade etwas lustlos dem Fliegen gegenüber. Corona hin oder her. Der Spaß ist raus. Du fühlst dich auch nicht mehr so wirklich willkommen. Die müssten dir doch Blumen auslegen, dass überhaupt jemand fliegt. Bei meinen Anfängen im Fliegen war es auch nicht schön doch es wurde immer besser und unkomplizierter. Dieses hat sich nun wieder umgekehrt. Mehr noch. Ich denke gerade an meinen BUS. Da schmeißt du dein Wechselschlippa in den Koffer und den dann einfach rein. Keine Kontrolle von Flüssigkeiten, Essen oder Gewicht.  Wenn er drin, geht’s auch schon los. Doch noch habe ich viele Ziele, die ich aus meiner Sicht nicht mit dem BUS anfahren werde. Was bleibt mir übrig als zu fliegen?

Wir sind im Landeanflug. Der Kapitän teilt uns mit, dass wir ca 50 Minuten zu früh wären. Es war die ganze Zeit Wind von hinten. Ich denke, ein kürzerer Flug ist nie verkehrt, doch wollte uns da jemand so schnell wie möglich raus aus Europa haben? Das deboarden ist wie immer. Es wird also nicht Reihe für Reihe raus gewunken, sondern alle versuchen die Ersten zu sein. Ich instruiere GG, nicht einzuschlafen, weil ich Schlangen am Corona Testschalter vermute. So ziehen wir fast im Galopp an allen vorbei.

Kaum öffnen sich die großen Schiebetüren kommen uns zwei Damen mit freundlich strahlenden Augen entgegen. „Schön das ihr da seid. Habt ihr ein Test gemacht und habt ihr einen Mietwagen?“ Ich teile ihnen mit, dass wir zwar einen Test, doch keinen PCR gemacht haben und auch einen Mietwagen gebucht. Sie fordern uns auf, schnell zu dem Mietwagen zu gehen, da da grad keiner ist – der Test danach geht schnell. Vollkommen unerwartet relaxt bekomme ich meinen Mietwagen und danach auch nur mit 1 Minute Wartezeit meinen Coronatest – umsonst.

Völlig überrascht steige ich ins Auto noch bevor ich planmäßig gelandet wäre. Also jetzt direkt zur Unterkunft. Ist vorgeschrieben! Dort sollen wir auf das Testergebnis warten. Am Quartier angekommen werden wir freundlich begrüßt. Wir haben ein Upgrade erhalten.  Mehr oder weniger ein ganzes Gartenhaus ist unser.

Eine kleine Einführung wo was ist und dann komme ich zu meinem Problem. Wir dürfen ja hier nicht raus und haben aber nichts zu essen. Kurzerhand greift der Patrone zum Telefon und ordert etwas für uns in dem nahen gelegenen Restaurant. Take away.Wir fahren also rüber und kaufen noch ein paar andere Sachen bei einer älteren Dame.

Der Fleischer kommt vorbei und fragt ob wir diejenigen seien, welche etwas mit Salat bestellten.   Wieder zurück stellen wir fest, dass der Salat fehlt. Na gut. Also sollten wir noch mal hin. Erst einmal essen wir aber den Spieß, sonst wird er kalt.  Gerade als wir aufbrechen wollen klopft der Patrone und hält uns den Rest unseres Mahles hin. Er wurde angerufen und fand es einfacher, es selbst für uns zu holen. Vielen Dank. Das Ankommen in Madeira entschädigt für das Abfliegen in Berlin. Ich schaue noch einmal die Broschüre unseres Hauses durch. Wenn ich es richtig verstanden habe, könnten wir für den von uns entrichteten Betrag gerade mal 3 Nächte hier verbringen. Wir bleiben aber 14.

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