Auch das British Museum in London ist von der Errichtung eines Eintritts befreit. Ich finde es durchaus gerecht, wenn man so um die Welt segelt und alles was nicht Niet- und Nagelfest ist mitnimmt, dieses frei zugänglich zu machen. Sicher würden so einige Stücke auch in den Regionen ausgestellt, wenn sie über die Jahrhunderte nicht schon meistbietend verscherbelt.
Die oben gezeigten Stücke aus der DDR, gehören sicher nicht zu den Dingen, welche durch die koloniale Ausbreitung ins Museum gekommen sind. Wenn das allerdings die Essenz dieses verlorenen Staates darzustellen versuchte, ist es etwas erbärmlich. Es gab da sicher noch andere Dinge als Ehrenteller des Staatsrates.
Kommen wir zurück zum ersten Eintreffen ins Museum. Wir waren kurz nach Öffnung vor Ort und somit die Schlange nicht allzu lang. In den Hallen war ein freies Herumschlendern möglich, wenn auch die nachströmenden Massen ersichtlich. Uns war sofort klar, dass wir nur einen kurzen Gang durch die Ausstellungen machen werden. Draußen scheint die Sonne und hier drinnen ist lauter altes Zeug. Heute mal nicht!
Natürlich hat das Museum auch keinen großen Umweg gemacht, als jemand im Ausguck um Ostern herum „Land in Sicht“ rief. Kurzerhand packte man den Steinmoai mit dem Namen Hoa Hakananai’a ein. Interessant, dass dieser Name in etwa „verlorener, versteckter oder gestohlener Freund“ bedeutet. Ich bin sehr beeindruckt! Das Teil ist so um 1100 aus einem Basaltklumpen gehauen worden und die wussten es schon….
Die Benin-Bronzen sind kunstvoll gefertigte Skulpturen aus Bronze und Messing, die im westafrikanischen Königreich Benin um 1500 von Hof-Handwerkern geschaffen wurden. Besonders bekannt sind die Plaketten, die zwischen 1550 und 1650 zur Verzierung des Königspalastes dienten und Szenen aus dem Palastleben sowie Kontakte zu Europäern zeigen. Beim britischen Angriff auf Benin City 1897 wurden viele dieser Kunstwerke beschlagnahmt. So jedenfalls formulierten es die Briten. Ich würd mal sagen, dass sie die Bronzen einfach mal geraubt haben.
Hier hat man in Nigeria alles, was irgendwie Macht verheißt, zusammengenagelt. Also militärische Insignien, Gewehre, wilde Tiere und importierte Waren. Die Skulptur markierte den Treffpunkt für Tanzvorführungen. Macht und das Spiel zwischen Mann und Frau beim Tanze korrelieren nur so weit, dass es da auch um Eroberung ging – also des Herzens des Gegenüber – und das auch nur im günstigsten Fall.
Power figure – Demokratische Republik Kongo
Diese charmanten Allzweck-Figuren aus dem Kongo waren echte Problemlöser – von Gesundheitskrisen über Geldsorgen bis hin zur spontanen Hexenjagd. Praktisch! Einfach ein bisschen Schießpulver zünden oder einen rostigen Nagel reinrammen, schon wird das Ding aktiv – Kundenservice par excellence! Im Bauch und Kopf: geheimnisvolle Super-Substanzen (wahrscheinlich das kongolesische Pendant zu Red Bull). Und weil’s ohne tierischen Beistand nicht geht, bringt der vieräugige Geisterhund gleich noch paranormale Spürnase mit – denn wer braucht schon Kameras, wenn man spirituelle Schnüffler hat?
Diese Figuren kommen aus Nigeria und dienen eigentlich hauptsächlich dazu, die Fähigkeiten eines Mannes darzustellen. Durch was zeichnen sich nun Männer aus? Vornehmlich sind das Bereiche wie Krieg und Jagd. Daher ist es nicht verwunderlich, dass keine der Figuren einen Mann mit einem Säugling im Arme zeigt. Wir hier in Europa folgen auch der männlichen Demonstration von – ja von was eigentlich? Wir benutzen dafür Autos, als wenn es ein super kraftvolles Ding wäre aufs Gaspedal zu drücken.
Ancient Mother and Little One costumes – Lawrence Ajanaku, 2013-14
Die Tänzerinnen und Tänzer einer Okakagbe-Maskerade repräsentieren die Waldgeister Odogo (Alte Mutter), Otugo („Respektierte“), Oyoyo („Zu fein“), Egule („Beantworter von Fragen“) und Odebe („Besitzer des Hauses“). Außerdem gibt es einen Kindertänzer, Okeke (Little One), und ein Buschbiest (Idu), das die Menge unter Kontrolle hält.
Die -Alte Mutter- verkörpert den Ahnengeist der Regeneration der Gemeinschaft durch Kinder. Interessant, dass je mehr Kinder sie gezeugt, die Brüste länger und flacher werden. So die Legende…
Der Stein von Rosette. Das ist der ägyptische Versuch von Google Translate. Klar waren Computer um 200 BC noch etwas rar und so musste man sich anders behelfen. Auch können damit nur drei Schriften ägyptische Hieroglyphen, demotische Schrift und Altgriechisch übersetzt werden. Aber immerhin!
Kannon ist ein „Bodhisattva“ oder eine buddhistische Gottheit, die Mitgefühl und Barmherzigkeit vermittelt. Hier verneigt sich Avalokitesvara demütig und überreicht einen Lotus (der hier fehlt), das Symbol der Wiedergeburt im Paradies.
Relief-carved marble gravestone
Die Inschrift enthält Segenssprüche und Koranverse in arabischer Sprache.
Und klar, darf auch Mao Zedong und seine Propaganda nicht fehlen. Sicher hat er alles toll gemacht. Sieh nur, wie die Menschen jubeln.
Damit schließen wir mal unseren Wissensdurst und gehen zurück ins Leben da draußen.




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