Heute verlassen wir London. Mit dem Zug!
Erst einmal gehen wir ein Block weiter zum Bahnhof Euston. Die ganze Organisation ist etwas anders geregelt als bei uns. Erst einmal ist der Bahnsteig nicht vorher bekannt. Man steht also vor der Anzeige, bis dann deine Bahnsteignummer bekannt gegeben wird. Folgend spurten alle darauf los. Im Zug, wir hatten Platzkarten, war unser Platz belegt. Das war etwas unangenehm. Die Engländer gehen mit so etwas auch anders um. Das Problem zu klären und das Zugpersonal um Hilfe zu bitten, was ich als angemessen angesehen hätte – Fehlanzeige.
Nach ein paar Stunden und einmal Umsteigen erreichen wir Windermere – die Endstation. Hier geht alles sehr viel geruhsamer vonstatten.
Weiter geht es mit dem Bus nach Grasmere. 🌍 Mir scheint, die haben hier so etwas wie einen Einheitstarif. Eine Busfahrt 3£. Aus dem Fenster kann man schon erahnen, was uns die nächsten Tage so erwartet. Ein paar Seen und rundherum Hügel.
Diesen Blick dürfen wir für ein paar Tage genießen.
In die andere Richtung ist dann diese Felsformation. Sehr gut geeignet für morgendliches Yoga. Tja – und überall wo du hinkommst, sind Schafe. Die ganze Gegend erscheint mir schon beim Eintreffen ziemlich waldlos. Es gibt viele Solitäre Bäume. Dazwischen Weideland mit Schafen. Hier um die Ecke gibt es ein Grundstück, wo mehrere Bäume draufstehen. Mittendurch ein Weg. Wenn du da langläufst, meint das – „Through the Woods“.
Oftmals sind die Bachüberquerungen ganz nach meinem Geschmack.
Wir möchten heute eine Wanderung machen. Dazu fahren wir mit dem Bus erst einmal nach Ambleside.
Der Baustiel ist hier überall zu finden. Flache Häuser aus übereinander geschichtetem Schiefer. Ganz nett anzusehen und sicher witterungsbeständig, doch energetisch eher ungünstig.
Wir steigen in den nächsten Bus nach Great Langdale. Ganz ehrlich, Busfahrer möchte ich hier nicht sein. Rechts und links der Gasse sind Natursteinmauern bewachsen mit allerlei Gestrüpp. Die Straße ist nur so breit, dass zwei Autos nur mit Mühe aneinander vorbeikommen. Ausweichstellen gibt es de facto nicht. Wir nun mit diesem Bus. Wie oft schrammten wir durchs Dornengestrüpp, mm für mm. Beim Aussteigen hab ich mir die Flanken des Busses angesehen. Da war nichts unzerkrazt.
Zurück gehen wir zu Fuß. Länger sollte es auch nicht dauern. Erst einmal folgen wir dem Tal Richtung Elterwater.
Es geht gemütlich, mehr oder weniger, neben dem Fluss in welchem auch einige badeten.
Von dort steigen wir aus dem Tal hinauf, um auf der anderen Seite schon wieder unser Quartier zu sehen. Ein wirklich gemütlicher, schöner Weg. Man sollte nur nicht denken, trockenen Fußes hier wandern gehen zu können. Überall sind modrige, feuchte Stellen.
Das Wetter verspricht nicht unbedingt Sonnenschein. Ich möchte allenthalben ein wenig wandern.
Die Entscheidung fällt auf Grisedale Tarn. Der Weg ist nicht überanstrengend. Langsam schlängelt er sich neben einem Wasserlauf hoch. Doch noch vor dem Kamm erwischt mich der Regen. Ich, nicht wirklich ausgerüstet für solch ein Wetter, war schnell durchnässt. Mist! Ich habe nur eine Hose auf diese Reise mitgenommen. Die, die ich jetzt anhab. Dazu noch der Wind…
Oben kann ich dann den See erblicken. Der Regen hört auf. Ich bin grad so am überlegen, ob ich den Weg etwas länger wähle, als es wieder anfängt. Abbruch!
Zurück möchte ich natürlich nicht den gleichen Weg gehen. Ich stolpere im Bach den Berg herunter. Unten neben der Hauptstraße führt erst ein Weg weiter. Diese verliert sich im Privatbesitz. Toll! Jetzt im Rinnstein die Straße entlang. Nicht, dass Regen nicht genug wäre. Nun spritzen mich auch noch die Autos voll. Kaum finde ich den ersten Abzweig von der Straße, hört es auf zu regnen. Na immerhin.
Ein Dampfschiff soll in Coniston über den See fahren. Das klingt ja erst einmal nach etwas, was man durchaus machen könnte.
Angekommen ist die Aussicht auf Sonne über dem See mehr als marginal.
Schon geht es los. Der Kahn ist nicht sehr gewaltig. Es war ja auch nur eine Yacht der Betuchten. Als so einiges kaputtging, war sie mehr oder weniger ein Hausboot – fest angeleint – und ist auch noch gesunken. Tja – manchmal muss man eben etwas machen an son Holzkahn. Die Einheimischen haben sie geborgen und wieder instant gesetzt. Heut ist sie Teil des National Trust.
Die kleine Dampfmaschine tut ihren Dienst. Ich durfte auch mal ein Stück Holz nachwerfen.
In Coniston zurück, schlendern wir nur zurück zum Bus.
Unser nächster Ausflug ist nach Keswick.
Wir steigen unterwegs aus dem Bus und wandern zum Castlerigg Stone Circle.
Von dort runter in die Stadt auf der ehemaligen Eisenbahnroute bis an den See. Dort entlang zum Friar’s Crag. Wieder einmal zwingt uns das Wetter zu einem längeren Aufenthalt im Cafe Theatre by the Lake.
In der Stadt ist heuer Markt. Die Einheimischen sind echt hart im Nehmen mit dem Wetter. Störrisch laufen sie durch die Gassen als ob nichts wäre. Eventuell ist ja auch nichts – also Regen ist für die sowas von normal.
Unser letzter Tag in der Gegend bricht an. Wir wollen heute wieder eine Wanderung machen. Die Coffin Route soll es sein. Der Name übersetzt heißt so etwas wie „Sarg Route“ Damals gab es nur einen christlichen Friedhof in Grasmere. So wurden die Särge von Rydal und Ambleside dorthin getragen.
Uns wird wiederholt der Weg erklärt. Das ist ja schon sehr nett, doch wie soll man sich hier verlaufen, frage ich mich. Mir wird von vielen erzählt, die hier verloren gegangen sind. Ich schüttele nur mit dem Kopf. Hier sind alle naselang Dörfer. Wie soll das gehen?
Der Weg führt von Grasmere Richtung Ambleside leicht oberhalb der Straße.
Wir kommen nach Rydal, einem kleinen, verschlafenen Flecken mit einem schönen Garten. Der Eintritt in diesen basiert auf dem, was ihr geben wollt.
Noch ein Stück am Fluss entlang, dann schlägt sich der Weg in den Wald.
Wir durchqueren Ambleside und beschließen auch den Weg zurückzulaufen. Natürlich nicht den Gleichen. Hinter der St. Mary’s Kirche gehen wir durch den Rothary Park und dann entlang des Rothary Rivers. Ich frage GG: „Willst du parallel zur Straße oder den kürzesten Weg?“ GG wolle den kürzesten Weg gehen.
Ich gebe das in die Wanderapp ein. So biegen wir ab Richtung Todd Crag. Der Weg verliert sich schnell im Gestrüpp. Als wir da durch sind, haben wir tolle rundum Blicke und sind alleine in der Landschaft. Warum nur geht es immer bergauf?
Der gewählte Abzweig ist im Grün nicht auszumachen. Also weiter! Der Nächstmögliche ist schon irgendwie zu sehen, doch sehr matschig. OK -nehmen wir den nächsten. Dieser ist begehbar und führt uns durch Black Mire. Es geht immer noch bergauf. GG schaut sich um. „Wir sind ja noch gar nicht weiter gekommen. Da unten ist immer noch Ambleside. Ich dachte, wir gehen den kürzesten Weg? Auf eine Bergbesteigung bin ich nicht eingerichtet!“ Tja – der kürzeste Weg führt offensichtlich genau über den Berg. GG möchte jetzt unbedingt unser Ziel sehen, sonst wird sie ungehalten.
Was soll ich sagen? Wir besteigen den Loughrigg Fell. Glücklicherweise kann man von hier oben unser Quartier sehen.
Runter geht es sehr steil. Nichts für die Knie.
Nun geht es zurück nach Berlin. Dieses Mal nicht über London, sondern fliegend von Manchester.
Glücklicherweise fährt der Zug von Windemere direkt zum Flughafen
Schön fand ich den Aushang mit der Inschrift: Fuel my future for the price of a coffee? Wenn das so einfach wäre. Da sind schon ein paar Tassen mehr notwendig, oder?



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