Auch im höheren Alter feiert man Geburtstage. Im Gegensatz zur Kindheit wird nicht jedes Jahr auf diesen Moment hingefiebert, sondern man beschränkt sich auf alle Nummern mit einer 0 am Ende. So kommt es einem langsamer vor als es in Wirklichkeit ist – also das Alt werden. Die Party war nett und wir haben uns gut über alle Dinge ausgetauscht, welche in letzter Zeit passierten. Natürlich auch viel in Erinnerungen geschwelgt.
Klar zieht man auch ein wenig durchs Örtle. In Ettenheim durch den Prinzengarten.
Viel los ist nicht. Auch hier stirbt die auch kleine alte Innenstadt aus. Internet sei Dank.
Auf dem Weg zurück in die Heimat halten wir noch in Baden-Baden an.
Die Sonne gibt ihr Bestes. Hier unten ist das Jahr schon viel weiter als in Berlin, erscheint es mir. Der Frühling ist da und die Leute strömen hinaus, Kaffees haben die Tische draußen.
Wir gehen an der Oos entlang Richtung Altstadt. Überall sprießen die Blumen.
Hummeln sind auch am Arbeiten.
Vor dem Museum eine Kunst, die zum Grübeln anregt. Zweifelsfrei solle diese eine Frau darstellen. Wenn ich die Meinige so reduzieren würde, wäre das ihr sicher zu wohlfeil.
Der ehrwürdige Glanz – gut das nicht alles dem aktuellen Zeitgeist geopfert wird.
Am Theater hängt dieses Plakat. Gerade aus Korea zurück, verlangte es etwas Aufmerksamkeit von mir. Wenn man die beiden Koreas betrachtet und deren Beziehung mit Liebe versucht in Beziehung zu bringen – ja überhaupt die solche an sich – fordert es schon ein wenig abstraktes Denken. Durchaus spannend. Ich schau die Frau an meiner Seite an – gibt es da irgendwelche Überschneidungen?
Wir tingeln noch ein wenig durch die Altstadt. Dieser Ort scheint noch sehr belebt. Viele Menschen sind unterwegs, trinken Kaffee, schauen in die Schaufenster der teuren Butiken oder genießen den Frühling.
Soweit zum eigentlichen Reiseziel. Ob mir der mehr in Erinnerung bleiben wird als die Reise an sich?
Rückreise mit der Deutschen Bahn 🚂 – ein Erlebnis
Wenn man ans andere Ende Deutschlands reisen möchte, bietet sich bekanntlich die Deutsche Bahn an. Zumindest laut Fahrplan.
Die Hinfahrt verlief erstaunlich unauffällig. Der Zug fuhr los, hielt gelegentlich an Bahnhöfen und kam irgendwann an. Inzwischen gilt so etwas bereits als Premium-Erlebnis.
Die Rückfahrt entwickelte sich dagegen zu einer Art sozialwissenschaftlichem Experiment über Geduld, Resignation und Gruppendynamik. Der Zug fuhr zunächst sogar halbwegs pünktlich ein und verließ den Bahnhof im akzeptablen Zeitrahmen. Kurz darauf meldete der DB-Navigator allerdings, beim geplanten Personalwechsel werde Zugpersonal fehlen. Ein interessanter Ansatz. Man plant also Personalwechsel – unabhängig davon, ob Personal existiert. Auch wird die pseudoleckere Bahn-Currywurst beworben, welche aber nicht zubereitet werden könne. Fragt jetzt aber nicht warum.
Beim Einrollen in Fulda ertönt dann die erste Durchsage: „Der ICE… nach Berlin über Erfurt hat 70 Minuten Verspätung. Sollten Sie final nach Berlin fahren wollen, bleiben Sie bitte in unserem Zug.“
Der Zug wird daraufhin von zahlreichen gestrandeten Reisenden geentert. Für einen kurzen Moment hat man das Gefühl, an Bord des letzten funktionierenden Verkehrsmittels Mitteleuropas zu sitzen. Kaum haben alle halbwegs einen Platz gefunden, der Zug steht mittlerweile schon 10 Minuten, folgt die nächste Ansage: „Reisende mit dem Ziel Dresden oder Erfurt sollten sofort den Zug verlassen. Mit unserem Zug ist eine Fahrt dorthin nicht möglich.“
Also wieder Bewegung im Zug. Menschen springen auf, greifen ihre Koffer und verlassen den Wagen. Vermutlich in der Hoffnung, im Bahnhof Fulda irgendwo noch eine alternative Form der Fortbewegung zu entdecken. Vielleicht eine Pferdekutsche. Vielleicht ist es auch einfach nur ein Rest von Hoffnung. Mit etwa fünfzehn Minuten Verspätung setzt sich der Zug schließlich wieder in Bewegung und lässt einige sichtbar desillusionierte Gesichter auf dem Bahnsteig zurück.
Nächster Halt: Kassel.
„Liebe Fahrgäste, das Zugpersonal ist noch auf dem Weg nach Kassel. Wir werden also länger stehen, bevor wir weiterfahren können. Reisende nach Göttingen können den nach uns fahrenden Zug nehmen.“
Kurze Zeit später folgt eine weitere Durchsage, offenbar als Motivationsmaßnahme:
„Nach Hildesheim sind wir aber immer noch die Schnellsten!“ Die allgemeine Stimmung bleibt dennoch zurückhaltend euphorisch. Dann eine besonders fürsorgliche Information: „Wenn Sie eine – oder auch zwei – rauchen oder ein wenig frische Luft schnappen möchten, haben Sie jetzt Zeit dafür. Gehen Sie bitte ein wenig von den Türen weg, aber nicht zu weit. In einer halben Stunde könnte es sein, dass wir weiterfahren.“
Offenbar hatte jemand gefragt, warum der Zug nicht einfach ohne das fehlende Personal weiterfahren könne. Die Erklärung folgt prompt: „Wir dürfen ohne ausreichendes Personal nicht durch die folgenden langen Tunnel fahren.“
Ehrlich gesagt frage ich mich kurz, was die Bahn vermutet, was Reisende im Falle einer Havarie im Tunnel tun würden. Organisieren wir dann eine Krisensitzung im Bordbistro? Oder gehen einfach alle geschlossen zur Mitropa und bestellen eine Currywurst? Ich stehe inzwischen draußen auf dem Bahnsteig und schnappe frische Luft. Ein Schaffner kommt vorbei. Sein Gesichtsausdruck verrät, dass auch er diesen Tag nicht ganz so geplant hatte. Ich frage vorsichtig, ob das erwartete Personal denn bald eintreffen werde. Er lächelt müde und sagt: „Die sind schon geschlagene vier Stunden am Kommen.“ Ich sinniere im Geiste: „Vermutlich mit der Bahn“ und mir wird klar, die Deutsche Bahn ist kein Verkehrsmittel. Sie ist ein Geduldstraining.
In dem Sinne – Alles Gute zum Frauentag!


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