Kunsthalle Mannheim 🇩🇪

nicht fisch nicht frau?

Wieder einmal lockt uns die Mannheimer Kunsthalle. Nicht nur wegen den Temperaturen. Ausgeschrieben die Ausstellung ͼ Reload: Feminism ͽ weckte doch einige Neugier in mir.(🇬🇧 translate article)

Wir kommen also in die Kunsthalle und werden von einer Angestellten über die Verortung der Kunstwerke in den verschiedenen Kuben informiert. Mich dünkt einen etwas pejorativen Unterton in ihren Worten zur Feminismus-Ausstellung rauszuhören. Wir entschließen uns das als krönenden Schluss aufzuheben und tauchen in die Ausstellung zum Thema ͼ Von der Fläche zum Raum ͽ ein. Diese solle sich auszeichnen durch große Formate, die Farbe Schwarz, starke Raumbezüge und eine betonte Körperlichkeit.

Ben Muthoffers ͼ Geometrische Abstraktionen ͽ könnten schon eine gewisse Räumlichkeit vermitteln. Vor allem sind sie aber schön bunt.

GG rief mir zu » Das wird dir gefallen! Sicher wärest du der Meinung, dieses auch zu können. « Ich schaue mir Sandbacks ͼ Farbkreide ͽ Bilder an und musste ihr natürlich recht geben. Nur dass es mir darin gemangelt hätte, dieses als Kunst verkaufen zu wollen wie auch zu können.

Kommen wir zum nächsten Künstler. Was seht Ihr darin? GG fragt mich und ich war sehr verwundert. Also warum sie das frug. Das ist doch eindeutig ein analog PacMan – oder? Beschriftet war dieses Werk von Lucio Fontana allerdings mit ͼ ohne Titel ͽ

Dieses Kunstwerk würde auf jeden Fall dem entsprechen, was ich in dieser Ausstellung erwartete. Die Vormachtstellung der dunklen Farbe und auch einen gewissen räumlichen Bezug, der sich in der nicht lotrechten Ausrichtung manifestiert. Sonst – tja, was sonst?

Dieses passt allenthalben nicht da rein. Eher dem Realismus zuzuordnen, nur halt noch nicht ganz fertig. Martin Schmidt begann hier ein ͼ Basislager ͽ zu zeichnen. Was kam dazwischen, es zu vollenden?

OK – das passt doch nun wieder. Hier hat sich Richard Serra mal ausgetobt. Schwarz vorherrschend – kann ich bestätigen. Doch was soll’s sein? Ohne Titel wär’s mir durchaus angenehm. Es ist ͼ Island ͽ! Ok, lassen wir mal alles weg, was ich von Island gesehen. Durchaus spielen da die Erdinneren-Gewalten noch heftig mit der Landschaft. Könnt schon sein. So ein erkalteter Lavastrom? Könnt ich gelten lassen. Doch würd ich’s mir ins Wohnzimmer hängen?

Dieses passt nun auch eindeutig in Raumstudien. Also mindestens das Innere, bevor er den Pinsel für ein Kunstwerk auf diesem Stück Papier säuberte. Robert Graham ͼ Room ͽ

Wassily Kandinsky versuchte sich hier. Wie immer wollte ich versuchen, aus dem Kunstwerk zu lesen, worum es ginge. Erst der Bunte huldigend, kamen einige Details zum Vorschein. Hier ein Zaun oder ein Gleisbett. Dort eine Hochspannungsleitung. Der Mond, Antennen, Fahnen, Fenster… Ich komm nicht drauf. Doch nicht immer ist es so kompliziert. ͼ Rund und Spitz ͽ – klar!

Wir tingeln in der Kunsthalle und ich kann jetzt nicht mehr genau sagen ob wir nicht schon in den Bereich Fokus-Sammlung diffundieren.

Was fällt euch hier auf? Nicht dass die Kleidung nicht besonders üppig, nein, der Arm. Was ist passiert?

Hier versucht Ferdinand Holder die Konfluenz verschiedener Plattformen der Kunst. Der Bildlichen und der Akustischen. Ist ihm das gelungen? Bildlich ist es ja durchaus manifestiert, doch ich höre nicht ͼ Das Lied in der Ferne ͽ

Wieder mal etwas zu Rätseln. Es ist schon sehr Blickfangend. Was dachte sich Alberto Giacometti dabei. Ich geh herum und betrachte. Suche das versteckte Geheimnis. Irgendetwas hat es, was dich in Versuchung bringt es aufzudecken. Na ja – ich les nun doch. ͼ Composition avec trois figures et un tete ͽ Ein ein wenig spannerenden Titel hätt ich mir schon gewünscht.

Das hier erzeugt schon ein Schmunzeln. Bei mir jedenfalls. Was siehst du? Ein paar Mieder, nachdem sie eine Presse passierten. Also kurz vor dem letztendlichen Schritt der Altkleider-Verwertung. Ob sie allerdings noch Liebe enthielten, als sie wurden entsorgt? Gerard Deschamps ͼ Fairbell – Amour en cage ͽ

Auch dieses – ein gedeckter Tisch – nicht abgewaschen – hängend an der Wand. Ich überleg allerdings, ob es eine mögliche Problemlösung im Alltag darstellen könnte. Nach dem Essen einfach auf die Terrasse und in Gänze abspülen. Daniel Spoerri Restaurant

Die mir sehr sympathischen weiblichen Zügel vermisse ich ein wenig in dem Bild von Otto Dix. Sonst scheinen da schon ein paar unwillige Geister den Geist zu umkreisen, was dann auch durch den Titel ͼ Die Irsinnige ͽ Bestätigung findet.

Willi Baumeister stellt mich hier vor die Frage. Im ersten Blick doch ein Fisch. Was soll den ͼ Montaru ͽ bedeuten? Für den gleichsam Unwissenden. Mont kommt von Berg und aru als phonetischer Klang von blau-rot. Also haben wir hier einen großen schwarzen schwebenden Berg, welcher die dunkle und helle Seite des Kosmos mit seinen Energiefeldern – welche alles aufsaugen oder alles abgeben – widerspiegelt. Ich lass das mal sacken.

Mit Natalia Dumitrescu in ͼ Geheimnisvolles Leben ͽ geh ich so weit kollinear, dass das Leben schon auffallend unergründlich. Doch nicht nur dieses, sondern auch ihr Werk. Also nicht nur ihres…

Faszinierend stand ich vor dem Werk von Bernard Schulze. Da gibt es so viele Möglichkeiten, etwas darin zu entdecken. Jeder sieht etwas anderes und zusammen kommt man auf immer neue versteckte Objekte. Eines, ja wirklich eines habe ich absolut nicht dabei gemacht.  ͼ Denkend an einen Seekuh-Kadaver ͽ

Normalerweise sind ja monotone Flächen, welche nur durch eine Farbe vertreten, nicht so das, was meinen Blick interessiert anlockt. Doch hier schaute ich genauer. Diesen feinen Übergang in die minder dunkle Mitte hinzubekommen benötigt doch ein wenig Können und so lasse ich mich breitschlagen dieses Kunst zu nennen. Raimer Jochims benannte sein Werk ͼ Blaubraunes Quadrat ͽ was ich minder einfallsreich finde und auch nicht der Farbe entsprechend. Kann sein, dass er genau das wollte.

In dem Übergang von einem Raum in den Anderen hängen solche riesen Insekten an der Wand. Ich find’s toll – GG weniger.

 

Wir sind so langsam kunstgesättigt und noch keinen Schritt unserem ursprünglichen Plan näher. Jetzt gehen wir hin. Ein kleiner Raum im Foyer.

STUDIO: Reload: Feminism

Ok – überschaubar.

Unten links steht ein Flachbildschirm, auf dem in rasant schneller Folge Bilder wechseln.

Die aufgezeichneten Teile von dem Monitorbild, welche du sonst kaum aus dem Bildgewitter auflösen könntest.

Diese Momentaufnahme beschreibt repräsentativ meinen Eindruck.

Ist das nun die Quelle dieser Ausstellung mit dem Kerngedanken „I‘m Not The Girl Who Misses Much“? Ich habe eventuell das Manko mich nicht in ihre Position hineinversetzen zu können und doch auch möchte ich mich nicht der kulturellen Aneignung bedienen, was wohl sehr zum Verständnis beitragen würde. In der Sequenz finde ich nicht die spielerische feministische Kritik am Frauenbild der alten weißen Männer, welches die Frauen dazu drängte, immer wieder aufstehen zu müssen.

Die flimmernde Röhre bildet nun den Abschluss. Definitiv ist das Studio zu einem Ort geworden, welcher viele Träume offen lässt wie auch viele Fragen und nicht nur an der Mannheimer Gesellschaft, sondern auch am Künstler wie auch am Besucher. Nicht unbedingt arg dominierend im Feminismus und die Perspektive darauf.

Das war mal wieder toll und tja – wenn ihr mal in der Nähe seid, schaut doch mal rein in die Kunsthalle. Es gibt viel zu entdecken.

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