Kawah Ijen 🇮🇩

Indonesien [Jawa-Timur]

Kampoeng: Wir wissen nicht genau warum, aber unsere Tour und all die der Anderen, die das Schauspiel vom blauen Feuer sehen wollen, startet genau um Mitternacht. Die Zeit in der du normalerweise eingekuschelt im Bette liegst und am wenigsten davon träumst in einen aktiven Krater zu klettern. Die Fahrt zum Eingang dauert eine Stunde. Auf halber Strecke bemerken wir, dass wir unsere Geldbörse vergessen haben. Weder der Fahrer noch unser Guide haben Geld, welches sie uns borgen könnten. Glücklicherweise kommt gerade als wir wenden, eine weitere Tour von unserem Hotel vorbei. Der dortige Guide leiht uns kurzerhand die 300000. Glück gehabt.
Die Autofahrt endet auf einem großen Parkplatz. Dort kauft man die Eintrittskarten und begibt sich zum Start des Weges. Pünktlich um 01:00 öffnet der Park und alle strömen hinein. Uns ist immer noch nicht klar, warum es genau dieser Zeitpunkt sein muss. Der Weg geht gleich steil an. Unser Guide (halb so alt wie wir) schnauft schon nach ein paar Metern wie eine Braunkohlengrubenbahn von 1821. Unvorstellbar. Er ist ja sehr nett und spricht ein ausgezeichnetes englisch (gerade bekommt er nur noch einen Buchstaben zwischen drei Atemzügen heraus), aber er scheint hier fehl am Platze zu sein. Wir werden immer langsamer, bis er dann bei einem Drittel des Aufstieges zusammenbricht. Da geht definitiv nichts mehr. Glücklicherweise kommt in dem Moment ein Bekannter von ihm vorbei. Auch ein Führer aber ohne Truppe. Dieser übernimmt uns nun, zu unserem Glück. Das einzige Handicap was er hat ist, dass er kein englisch spricht. Wir streben nach oben und überholen alle die vor uns waren. Am stockdunklen Wegesrand stehen junge kräftige Burschen welche offerieren, dich auf einem eigentümlichen Gefährt, den Berg hoch zu ziehen. Und tatsächlich bekommen sie mit jedem Höhenmeter mehr Kundschaft. Junge Leute stehen oder liegen atemlos am Wegesrand. Ein paar Ältere beleibte Damen werden von drei Kerlen unter Aufbringung aller Kraftreserven den Berg hoch gezogen. Der Anblick bestätigt meinen Willen, dieses nur mit mir machen zu lassen, wenn ich den letzten Zahn verloren hätte an dem ich mich bäuchlings diesen Berg hätte hochziehen können.
Am Kraterrand angekommen umnebelt uns eine ätzende Schwefelwolke. Noch immer sehe ich nicht wo es hin geht. Es an der Zeit für unsere Gasmasken.

Ab hier geht es wieder bergab. Hinein in den Krater. Was für ein Glück, das wir diesen erfahrenen und sportlichen Führer mitbekamen, denke ich. Er ist exzellent und weiß zu unterstützen, wenn es den notwendig ist. Zu reden gibt es sowieso nichts in dieser labernden Schwefelwolke im Dunklen. Immer weiter geht es runter in den dunklen Kessel. Die Sicht ist gleich null. Was nur, machen wir hier. Dann bleibt er stehen und zeigt. Ich schaue mich um. Nur zwei Gestallten sind in dem Nebel zwei Meter neben uns auszumachen.

Tatsächlich haben wir „fast“ alle überholt. Plötzlich dreht der Wind ein wenig und treibt die ätzende Wolke weg von uns. Nun sehen wir die blauen Flammen aus den Schwaden labern. Schon sind sie wieder verschwunden. Dann noch ein paar Mal bis der Wind wieder dreht. Ich press die Gasmaske dicht an mein Gesicht. Es hilft nichts. Ich drohe zu ersticken. Zusätzlich mischt sich das Zeug mit deiner Augenflüssigkeit zu einer ätzenden Brühe. Es ist nicht zum Aushalten. In diesem Moment steigt Jemand von weiter unten aus diesem Höllenloch. Seine schattenhaften Umrisse sind kaum auszumachen in dem Dampf. Beladen mit zwei Körben je 40kg Schwefelbruch steigt er den Berg an. Ohne Atemmaske, lediglich ein Schal umgeworfen. Der ganze Kerl sieht total klapprig aus und von gesunder Natur kann man nicht reden. Wie auch. So stelle ich mir Zombies vor. Er muss einer sein! Ich breche schon nach 10 Minuten zusammen und er hängt die ganze Nacht in dieser Hölle. Ein surreales Bild, was ich wohl nie vergessen werde. Was für eine arme Sau.


Langsam trudeln immer mehr Leute hier ein. Unser richtiger Guide trifft, für mich unerwartet, ein. Wir brechen ab, weil der Wind weiterhin die Schwaden zu uns schiebt und dadurch auch kein blaues Feuer mehr zu sehen ist. Bloß raus aus dieser Hölle.
Auf dem Weg nach oben drängeln sich nun die Leiber derer, die wir überholten. Welch ein Glück, dass wir so schnell waren. Die stehen hier noch Stunden in den Schwaden nur um etwas zu sehen, was nicht versprochen.


Oben am Rim, auf 2800 Metern Höhe, herrscht kalter Wind. Ich bin froh wieder einigermaßen atmen zu können.
Langsam setzt die morgendliche Dämmerung ein.

Die mineralischen Farben treten hervor und wir sehen endlich wo wir gewesen. Von hier oben sieht es gar nicht so schlimm aus. Warum nur geht der Weg im schlimmsten Rauch nach unten.


Der 3km Abstieg zum Parkplatz geht ganz schön in die Knochen.
Ein wenig relaxen im Hotel und schon geht’s zum Fährterminal. Die Fähre nach Bali, soll gleich fahren. Tatsächlich tut sie das auch. Warum sie eine Stunde brauchen soll, ist mir nicht wirklich klar. Tatsächlich ist sie in einer halben drüben und dümpelt vor dem Anlegern eine halbe Stunde rum. Tolle Organisation.


Unglücklicher Weise nehmen wir nun den Bus. Der hält überall und ist das langsamste Gefährt auf der Straße. Die Sitze sind so eng das ich weder meine Knie zwischen die Reihe bekomme, noch das die Breite für meine Schultern reiche. Stunden über Stunden schleicht er sich die Straße entlang. Wir fragen, ob es einen schnelleren Bus gibt, in dem man umsteigen könnt. Das amüsiert alle im Bus und sorgt die restlichen Stunden für Gesprächsstoff. Ob wir jemals ankommen werden und vor allem in welcher Kondition ist zu dem jetzigen Zeitpunkt äußerst fraglich. 4 Stunden später hat sich der langsam beruhigende Busfahrer dazu hingerissen, bei einem Taxi in Denpasar anzuhalten, um uns dieses für das letzte Stück zu offerieren. Meine Tasche ca 25kg überfordert hier alle ein wenig. Selbst die Jungen Leute brechen fast zusammen. Noch schlimmer ist, dass sie sich das nicht anmerken lassen dürfen. Unser Hotel ist ruhig, sauber und nett. Mehr braucht es im Moment nicht. Kurz etwas essen und dann ins Bett. Ein Gecko fällt schamhaft von der Wand. Schon ging das Licht aus.

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