Himalaja 🇳🇵

Qomolangma (Mount Everest)

Als kleiner Junge fiel mir mal ein Buch über den Himalaja in die Hände. Dank mangelnder Möglichkeit hinzufahren, studierte ich dieses Werk sehr eingehend. Warum die Menschen immer so fasziniert von Superlativen sind, ist mir nicht klar, aber auch ich konnte mich dem nicht entziehen. Der höchste Berg der Welt im blauen Himmel und die Bergsteiger, die aus welchen Gründen auch immer versucht haben, ihn zu bezwingen. Die Vorstellung der Tragödien, die sich an seinen Hängen abgespielt haben könnten, ließen in mir aber schon frühzeitig den Entschluss reifen, dem Berg seinen Frieden zu lassen. Gleichwohl sehr fremd sind die Kulturen, die dort heimisch sind. Im Norden die riesige tibetische Hochebene unterjocht vom ehemaligen Nachbarland, das heutzutage versucht, durch Schweigen die Ereignisse ungeschehen zu machen. Das kleine Königreich Sikkim, welches aus Angst vor dem gleichen Schicksal lieber den Anschluss an das südliche Nachbarland in Kauf nahm. Nepal, welches die Heimstadt des höchsten Berges ist. Die wundersam wirkenden jahrhundertealten Holzhäuser, welche durchaus noch jeden Tag einer Familie Schutz geben und nicht zum Museum gewandelt wurden. Nun bleibt noch ein kleines, sehr wundersames Land übrig. In diesem Land steht als höchstes Staatsziel das Glück des Volkes auf der Agenda.

Da stockte ich in der Lektüre und las das gleich nochmal. Ist das nicht ein wunderschöner Gedanke? Ich rekapitulierte, wie sich der Rest der Welt darum kümmerte. Nirgendwo ist es das Ziel des Staates. Im deutschen sogenannten Sozialismus – es war in der Tat nicht alles schlecht, was auch dem Grund geschuldet war, dass die Ressourcen des Landes in jeder Hinsicht begrenzt waren – steht irgendwas von Gleichheit. Na ja – es gab Gleichere, sie haben versucht, das Volk nicht verhungern zu lassen. Die Mitbestimmung hielt sich in genau so engen Grenzen, wie die diesen Staat umgebenden Mauern das Volk. Drüben soziale Marktwirtschaft. Wenn man nicht gerade ein Gewissen hat, kann man es weit bringen. Definieren müsste man nun noch, ob man dahin wollte. Ich erinnere mich jedenfalls nicht positiv an die Aussage meiner Großmutter, als sie meinte: ´So WEIT ist es nun gekommen´. Das Beste, das ich von diesem anderen Teil erhalten habe, war der Reisepass und ein offenes Tor. Dafür bin ich bis heute unendlich dankbar. Volksglück ist nirgendwo in der Verfassung verankert. Kommen wir zurück zu dem kleinen Land im Himalaja. Dort regiert ein König, der sein Volk glücklich machen möchte. Einfach zu besuchen ist dieses Land nicht. Der König möchte nicht, dass die Errungenschaften unserer modernen Zivilisation das Volk verderben und versucht so, Neid, Gier und Frustshopping vor seinen Toren zu lassen. Ich war jedenfalls angefixt. So absurd und so unerreichbar es für mich war, umso stärker rückte es auf meine Liste der Orte, die ich gerne mal besuchen würde. Ich kann es nicht abstreiten. Im Grunde ist es das Selbe, was die Menschen auf den Gipfel treibt.

Ganz hat es der König nicht geschafft, die Welt vor den Toren zu lassen. Der große Nachbar knappert ab und zu mal ein Stück des Landes ab. Die Tore wurden durchlässiger und das Internet hielt Einzug. Am erstaunlichsten aber fand ich, dass der König gegen den Willen seines Volkes die Demokratie einführte.

Ein runder Geburtstag stand an und ich hatte schon so lange gewartet. Als GG mich fragte, was ich machen wolle, zeigte ich nur ein Foto vom Taktsang Lhakhang (Tigernest). Sie mag die Gegend und den Spirit der dort durch die Berge zieht. Ich musste nicht lange bitten. Auf der jährlich stattfindenden Tourismusbörse suchte ich den Bhutan Stand auf. Zusammengefasst bezahlst du für Bhutan jeden Tag 250$ und alles ist enthalten. Das ist definitiv nicht billig, aber es soll verhindern, dass sich wenige bereichern und der Rest des Landes nichts von den Gästen hat. Ohne Visum ist auch kein Reinkommen. Da der Preis klar ist, muss man nun nur noch versuchen, das Beste dafür zu bekommen. Wir stellten unsere Wünsche vor und uns wurde gesagt: ´Ist alles kein Problem´. Egal was wir machen, für mich hatte es sich gelohnt. Ich bekam einen 100 Ngultrum Schein mit der Königsfamilie geschenkt.

Kurze Zeit später schickte ich eine Mail nach Bhutan, dass wir kommen. Erstaunt bekamen wir Antwort. Es sei ihnen noch nie so vorgekommen, dass die Leute dann auch wirklich kommen. Wir klärten den Termin, den Verlauf und baten sie, sich um das Visum zu kümmern. 2 Wochen vor der Reise hatte ich immer noch kein Visum. Erneut nahm ich Kontakt auf. Es wird schon alles klappen. Die Flüge sind schon bezahlt. Ich hatte noch keinen Pfennig hin geschickt. Ich solle erst bezahlen, wenn das Visum da ist.

Am Tag vor der Reise. Kein Visum. Versucht anzurufen. Antwort: Es ist gerade rausgeschickt worden. Alles ok. Es ist 16:00 und morgen früh geht es los. Wohin soll ich das Geld überweisen. Keine Antwort. Na da bin ich mal gespannt wie weit wir kommen. Habe ein Visum und zwei nichtbezahlte Boardkarten von Katmandu nach Paro.

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