Gorges de l´Ardèche 🇫🇷

Auvergne-Rhône-Alpes

10€ ärmer (Autobahnbenutzung) und über eine schöne alte Brücke mit heiligem Geist, schon bist du von Marseille am Anfang der Schlucht in Saint-Martin-d’Ardèche.

20160724 08 Saint-Martin-d'ArdecheIn diesem Ort findet heute ein kleiner Markt statt. Wir durchschreiten diesen. Klar ist es immer schön zu sehen, was die örtlichen Bauern so anbauen. Hier scheint es ein Markt zu sein, der den hier startenden oder strandenden Touristen den letzten Euro aus der Tasche luchsen will. Ein Haufen Kram, den du nicht wirklich brauchst. Dazu noch Händler die überteuerte Getränke feilbieten, die Not der Sonnengebeutelten ausnutzend. Der Stimmung macht das keinen Abbruch. Viele der hier ankommenden habe die Schlucht mit einem Kanu, nicht gequert sondern gelägst und warten auf den Rücktransport.

Wir gehen in die Tourist Information zu Doris. Mag auch die französische Sprache in den Ohren Einiger besser klingen, wechselten wir poe a poe zu deutsch. So hatte ich auch eine Chance etwas beizutragen. Uns wurde ein Zeltplatz empfohlen, der nur ein paar Kilometer weiter an der Straße liegt. Allen Deutschen habe es sehr gefallen. Wir werden es auch mögen, versprach sie uns. Nur die Frage ob wir ein neues Auto hätten, machte uns stutzig. Der Weg solle nicht der Beste sein. Wir werden sehen.

20160724 11 Camping_des_GrottesRunter von der Route Touristique bei der Grotte de st Marcel. Ich schaue auf die Karte. Eine ganz schön grottige Gegend hier. Kaum runter vom Asphalt, eine Kette über den Schotterweg. Ein gut gebräunter Herr unterbrach seine bewusstseinserweiternde Meditation um uns in Empfang zu nehmen. Als wir die Frage nach dem gewünschten Zelten bejahten, bekamen wir noch ein paar Instruktionen. Es gebe nur kaltes Wasser in den Duschen?! Wir sahen darin kein Problem. Es gebe aber auch keinen Strom. Auch das sollte uns nicht abhalten. Internet ist auch nicht und die Straße sei sehr desolat was ihm immens desolee sei. Das Auto könnt ihr auch nicht mit auf den Platz nehmen. Wir bestätigen alle neuen Informationen. Also gut meint er. Fahrt aber wirklich nur im ersten Gang und meldet euch sofort in der Rezeption, wenn ihr da seid. Schon wird die Kette geöffnet.

Also los. Wir versuchen etwas wie den ersten Gang zu fahren. Der Weg an sich ist noch befahrbar. Die quer einbetonierten Wasserweisungs-Schwellen kaum mit Fahrzeugen unseres Couleur zu überwinden ohne das irgendetwas auf ihnen schleift. Ich brauche eine neue Taktik. Über jede Schwelle langsam wie ein Hirschkäfer und das Voiture de luxe bloß nicht einfedern lassen. Es funktioniert. Alles was unter dem Auto so rumhängt, ist noch da.

An der Rezeption geben wir einen unserer Ausweise ab und erhalten ein kleines Holztäfelchen mit einer Nummer drauf. Das war´s schon. Noch mal der Hinweis, das Auto schnell weg zu fahren. Wir laden unseren Kruschtel aus und schlagen uns in den Wald. Kaum eine grade Fläche, an diesem steilen Hang lädt dazu ein, den Grund für ein Zelt zu bilden. Wir stolpern Geröll auf und ab. Beladen mit all dem Zeug. Gelernt habe ich dabei, wie sich ein Alpacca fühlt, wenn es Lasten durch die Anden trägt und warum es irgendwann bockig wird. Ich habe auch keine Lust mehr. 2 Minuten und ich bin durch! GG ruft plötzlich: »Joe – hier könnt es gehen!« Gerade noch rechtzeitig!

20160727 05 Camping_des_GrottesSchnell das Zelt aufgebaut – das ganze Zeug reingeschmissen – zurück um Auto. Wir krakseln die Straße bergan um des Parkens Platz zu finden. Der Erste mögliche erfordert von den Passierenden schon ein wenig fahrerisches Talent. Ich bezweifele, dass ein Jeder dieses hat. Also weiter. Letztendlich steht der Wagen mit der Schnauze den Berg runter im Winkel von 35° bevor der plötzliche Bodenverlust einen grandiosen Blick frei gibt. Ein paar Steine unter die Räder – ein kurzer Blick in den Himmel, hoffend auf Beistand – wird schon gut gehen.

Jetzt zum Fluss! Ein kleines Plateau ca. 2 Meter über dem Wasser. Gegenüber eine Steile Wand. Einfach ein wirklich schöner Anblick. Mir fällt drei Mal die ehemalige Bundeshauptstadt ein. (Die Franzosen schätzen ja die Deutschen so sehr, dass sie bei allem Gutem unsere ehem. Hauptstadt drei Mal erwähnen. „très bon“ )

Der Fluss fließt so verlockend vorbei. Ich muss rein! Jetzt! Kleine Spalten lassen ein Einsteigen in diesen zu. Glasklares Wasser mit einer absolut gut austarierten Temperatur. Ich bin nicht mehr zu halten. Langsam treibe ich den Fluss hinab und genieße.

20160724 31 Camping_des_GrottesDas Einzige etwas störende ist der nicht aufzuhörende Strom von Kajaks. Ein Teil der jugendlichen Zeltplatzbewohner hisst eine Totenkopfflagge und macht sich daran, die vorbeifahrenden Kajaks zu bombardieren. Selbstverständlich nicht mit Kanonen, sondern mit ihres Körpers Leib, welchen sie waghalsig in den Abgrund fallen lassen, um dort einem Tsunami gleich, die Kajakinsassen zu benässen. Nicht ein Jeder dieser, nahm es sehr gelassen.

20160724 22 Camping_des_GrottesEin weiteres nennenswertes Ritual ist das Hinabsteigen in einer nahe Grotte Schlund, um sich in dessen tonigen Schlamm zu suhlen. Diesen auf der Haut ans Tageslicht befördert und in der Sonne getrocknet, gibt einem jeden Mitwirkenden ein Zombieartiges aussehen.

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So verbrachten wir den Rest des Tages mit rumliegen, lesen und schwimmen im Fluss.

Den Abend verbringt man in dem kleinen unkomplizierten Lokal mit Blick auf die Schlucht. Die Kreditkarte ist hier das kleine hölzerne Täfelchen mit schier unbegrenztem Limit.

20160725 00 Camping_des_GrottesNach dem Essen noch mal an den Fluss zu einem letzten Schwimmen.

Tag 2

Am nächsten Tag wollten wir eine Wanderung am Fluss machen. GG fragt nach, wo denn der Wanderweg beginne. Den schotter Weg hoch steht ein kleines Schild. Wir quälen uns also bei unmenschlichen Temperaturen den Weg auf. Ich versuche zu verstehen, warum wir hier hoch müssen um am Fluss langzulaufen. Auf der kleinen Tafel kommt dann die Erleuchtung. Es geht hier nicht am Fluss entlang sondern durch die Berge. Ich bin nicht begeistert. Die Gegend ist so heiß wie schön. Egal ich schlag mich in die Büsche. Langsam windet sich der Weg am Berg entlang, gibt Blicke in die Schlucht frei und ab und zu gewährt eines Strauches Blatt dir Schatten.

20160725 02 Camping_des_GrottesEine erwähnte Kaskade hat zu dieser Zeit nichts zu präsentieren als ein trockenes Bett, das sich ins Tal schlängelt. Der Weg wird breiter und unser Schuhe Tritt wirbelt unermüdlich eine Staubwolke auf. Wir beschließen eine der schönsten Grotten zu besuchen. 10 € Wegzoll entrichtend, öffnet sich uns die Unterwelt. Sehr beindruckend.

20160725 04 Grotte_de_Saint_MarcelEine 15 Meter hohe Röhre, wie von einem Riesenwurm geschaffen, zieht sich Kilometer lang durchs Gestein. An derem Ende bilden riesige Stalaktiten eine Barriere.

20160725 23 Grotte_de_Saint_MarcelDurch diese hindurch schlängelnd, ein Sinterterrassenfeld was seines Gleichen sucht. So etwas habe ich noch nie unter Tage gesehen.

20160725 14 Grotte_de_Saint_Marcel Selbstverständlich wird in Frankreich ein großes Spektakel mit Licht und Musik veranstaltet. Ist im Prinzip nicht mein Ding. Das Licht in den Becken erzeugt schon seine Wirkung.

Wieder an des Tages Licht nimmt uns die Sonne mit beiden Armen in Empfang.

20160725 40 Grotte_de_Saint_MarcelIch brauche jetzt den Fluss. Nur noch die straubige Zufahrt zum Zeltplatz hinab und schon umschließt mich angenehm kühlendes Nass. Wir suchen uns für die mittägliche Siesta einen Schattenplatz. Ein schmaler Grat auf halber Höhe direkt über dem Fluss, bietet sich an. Büsche spenden uns Schatten und ich kann beobachten was auf dem Strom passiert. Ideal!

2016-07-25 17.44.35Am Abend wieder in die einzige Möglichkeit etwas zu essen zu bekommen. Oh Schreck. Auf allen Tischen steht ein ֍ réservé ֍ Schild. Merde! Ein paar Diskussionen später erhalten wir noch zwei Plätze an eines Tisches End. Der Trouble beginnt und wir beginnen auf das Mal zu warten. Endlich. 60 Minuten später ist der gefüllte Teller auf dem Tisch und als gleich steht er da befreiet von seiner Last. Ich fühl mich wohl, das schwarze Loch in meinem Inneren besiegt. Wieder zurück in des Flusses Bett und lesend den Rest der Sonne Lauf verfolgend.

20160724 40 Camping_des_GrottesTag 3

Heute nun soll es endlich gelingen. Die Wanderung dem Flusse folgend. Erst geht der Weg auf dem kleinen Plateau entlang. Plötzlich ist eine kleine Barriere da und ein Schild, dass wir die Treppe nehmen sollen. Ja mein Gott wo ist sie denn? GG schickt mich über die Barriere um die Treppe zu suchen. Ich häng also an der Wand und arbeite mich vor. Ok die Treppe ist da. Wie soll man da hinkommen? Ich gleite die Wand hinab und versuche es von der anderen Seite. Direkt an der Barriere ist ein haben Meter hoher Durchgang. Durch diesen muss man durchrobben.

Nach dieser kleinen Hürde geht es leicht weiter.

20160726 17 Wanderung Camping_des_Grottes_-_Combe_de_Mounier

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20160726 31 Wanderung Camping_des_Grottes_-_Combe_de_MounierDie Sonne lässt unseren Wasservorrat erheblich schneller schwinden als gedacht. Ich schalte auf Überlebensmodus. Sind hier die Geier schon in Stein gemeißelt? Mein Schicksal verkündend?

20160726 24 Wanderung Camping_des_Grottes_-_Combe_de_MounierGG bekommt alles Wasser und ich kühle mich im Fluss.

20160726 43 Wanderung Camping_des_Grottes_-_Combe_de_MounierDer Mann im Berg schaut misstrauisch.

20160726 29 Wanderung Camping_des_Grottes_-_Combe_de_MounierDie Schlucht windet sich und gibt viele schöne Ausblicke frei. Ok – mein minimal Ziel ist erreicht.

20160726 37 Wanderung Camping_des_Grottes_-_Combe_de_MounierJetzt müssen wir zurück obwohl ich noch gerne weiter erkundet hätte. Mindestens zwei Stunden muss ich noch ohne trinken durchhalten. Ein halber Liter muss für GG reichen. Stätiges Tempo und einige Abkühlungen bringen uns zurück. Das Wasser ist alle und ich brauch jetzt unbedingt etwas zu trinken. Ein ungekühltes Bier ist nicht das Himmelreich, aber jetzt gerade recht. So ausgeglichen erst nochmal an und in den Fluss. Heut nur noch relax.

20160727 04 Camping_des_GrottesAm Abend – wir hatten natürlich reserviert – spielt ein einsamer französischer Cowboy auf seiner Gitarre. Ist nicht wirklich original aber die Stimmung passt.

Tag 4

Aufstehen, Zelt abbauen, Zeug zum Auto bringen, Frühstücken, Schwimmen. Wir müssen noch unseren Holtz-Täfelchen-Kredit ablösen. Hat sich ganz schön was angesammelt. Egal. Der Zeltplatz ist toll und die Leute sehr unkompliziert. Wir kommen wieder!

Nun geht es auf die Route Touristique immer am Rim entlang.

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20160727 16 Gorges_de_l'ArdecheHerrliche Ausblicke wobei ich es von unten berauschender fand. Am Ende der Schlucht dann endlich dass allseits erwähnte Highlight. Eine natürliche Brücke über den Fluss. Gorges de l’Ardèche Pont d’Arc .

20160727 24 Gorges_de_l'Ardeche Pont_d'ArcSieht sehr beeindruckend aus. Viele andere Bewohner des Planeten finden dieses auch und so ist es nicht verwunderlich, dass sich hier Leib an Leib tummelt. Ich habe genug gesehen.

Wir sparen uns heut die Benutzung der Autobahn und genießen die Heimfahrt über Land durch Alleen aus alten knorrigen Platanen und Feldern aus Lavendel.

20160727 28 Vagnas Lavendel

20160727 30 Mas_Vincent Sonnenblumen

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