Egmon 🇨🇦

[Sunshine Coast, BC]

Wir haben heute vor die Zeit zu dehnen bis zur Unendlichkeit. Das ist gar nicht so einfach, wie man sich das vorstellt. Aber die Gegend, also ich mein Land und Leute hier, verführen dich geradezu dazu. Besser gesagt, du hast gar keine andere Chance. Spätestens nach zwei Tagen wird der noch so kribbelig Aktive den halben Tag auf der Bank sitzen und schauen, wann die Flut kommt. Dieser Teil der Sunshine Coast ist echt nicht weit entfernt von Vancouver, fühlt sich aber irgendwie an, wie auf einer fernen Insel. Der Highway von Fähre zu Fähre ist 84 km lang. Diesen kannst du abfahren oder es sein lassen. Alles wird bestimmt durch Ebbe und Flut oder im kulturellen Aspekt, wann die Fähre kommt. Wenn die Jugendlichen mal nicht wissen wohin mit der Energie, die ihnen Mutter Natur mit auf den Weg gab, so lassen sie einen Hinterreifen des Motorrads auf der Straße verbrennen. Etliche Kreise zeugen davon. Nun werden sie für die nächste Woche genug getan haben. Für uns ist es schon eine gewaltige Umstellung, nach den letzten zwei Wochen.

So braten wir uns erst mal ein Spiegelei auf unserer Terrasse. Dann nach Egmont.

Wie soll ich diesen Ort beschreiben. Die Straße schlängelnd sich durch den Wald dahin, fächert sich ein wenig auf bevor sie unvermittelt endet. Es gibt einen Laden und eine Marina (Bathgate’s Store & Marina). Mehr ist nicht erwähnenswert, mehr bedarf es auch nicht und mehr ist auch nicht da. Das Ortszentrum ist logischerweise der Laden. Wir fragen hier nach Ausflügen und gleich wird ein Betreiber angerufen, welcher auch in 4 Minuten hier sein soll.

Uns ward nicht vergönnt rauszufinden wie lange diese Egmonter 4 Minuten umgerechnet in französische Si Minuten sein könnten. Die erst so hilfsbereite Angestellte des Ladens war nach dem zweiten Fragen unsererseits genervt und wimmelte uns ab mit den Worten »Sie kann das um Himmels Willen nicht mehr managen, da sie soviel zu tun habe« Geht raus und raucht erst mal Eine. Klar ist der Laden nicht leer aber er ist auch nicht voll. Die Schlange beim Bezahlen besteht aus maximal einem Pärchen. So ziehen wir ergebnisoffen ab.

In Earls Cove, 10 Minuten die Straße zurück, ist die Fährstation. Die Ersten stehen schon in der Schlange, obwohl die Fähre erst in 2 Stunden kommen wird. Hektik zu verbreiten ist geradezu sinnlos. Solltest du das versuchen wird sich Jeder fragen, was mit dir los sei. Wir gesellen uns zu den Wartenden , welche wie wir nur darauf bedacht, dass die Zeit vergeht, im einzigen Haus hier, welches ein Restaurant beherbergt und ordern ein Stück Fisch mit Salat. Einige Wespen stören unseren Müßiggang und GG wird auch noch gestochen.

Zurück zu unserem Safarizelt ein wenig Müßiggang.
Später kommen wir noch mal nach Egmond. Wir wollen zu den Skookumchuck Narrows. So parken wir unser Auto dort, wo scheint‘s alle Bewohner der Sunshine Coast ihr Auto parken und machen uns auf den 3 Kilometer langen Weg. Es geht durch dichten dunklen Wald. Die Bäume ragen weit hinauf und rauben uns das Sonnenlicht. Das verärgert mich nicht sonderlich, denn so ist es sehr angenehm zu wandern. Alles ist sehr feucht. Dicke Moose hängen wie Bärte an jedem Stück was ihnen so vor die Nase kommt.

Die Narrows sind im Prinzip eine Engstelle im Anfang eines Fjordes ähnlichen Meeresabschnittes. Bei Ebbe muss das eingeschlossene Wasser diese Stelle überwinden um raus zu kommen und bei Flut ist es anders herum. Im Grunde sieht es wie ein breiter Fluss aus. Nicht übel für Meer aber auch nicht so etwas, was ich als Hauptattraktion bezeichnen würde.  Hier jedoch ist sie das. Alle gehen dort jeden Tag zweimal hin um das Schauspiel zu sehen. Was soll man denn sonst den ganzen Tag machen. Der Mensch braucht eine Aufgabe!

Der Tag ist noch nicht vorbei. Leider ist es mit der Füllung des Tankes genau anders herum. Schleichend erreichen wir mit der letzten Neige die Tankstelle. Hach wie gut es sich anfühlt wieder voll zu sein. Nicht jeden Meter erwartend stehen zu bleiben.

So gerüstet fahren wir nach Welbourn Cove. Hier liegen ein paar Boote leicht dümpelnd im Hafen.

Sonst bewegt sich hier nichts. Auf der Suche nach etwas zu Essen fahren wir ins Painted Boat Resort. Das Restaurant liegt mit schönem Blick über der kleinen Marina. Irgendwie zieht es mich nicht hinein.

In Pender Harbor Downtown, wenn man das so bezeichnen kann, existieren formell ein paar Restaurants. Leider sind die Bürgersteige schon lange hochgeklappt. Ich verlier die Lust und will nach Hause.

Einem Pup (Grasshopper) direkt an der Straße geben wir noch eine Chance. Sitzend auf der Terrasse mit einem spektakulären Sonnenuntergang über dem filigran gefächerten Ufer, genießen wir ein lecker See Food. Folgend fahren wir langsam, auf Wildwechsel achtend, im stockdunklen nach Hause. Der Tag endet, wie er begann.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*