Darß


Unser Ziel ist die Ostsee. Der schnellste Weg dahin ist so um Rostock. Wir biegen hier rechts ab und fahren nach Dierhagen. Auf dem Wege siehst du schon ein paar Parkplätze, welche aber alle für die Nacht gesperrt. Ich kann es zum Teil verstehen doch zum anderen wieder nicht. Da liegt nun dieses asphaltierte Stück Land in der Nacht völlig brach als wenn es ein paar müden Campern als Schlafplatz diene. Leider haben einige Camper das Wort Parkplatz wohl falsch verstanden und dort Tische und Stühle raus geholt. Der Campingplatz in Dierhagen ist auf den ersten Blick OK. Wir standen vor der Schranke und gehen zur Rezeption. Die Angestellte dort fordert uns auf unseren Wagen erst mal schnell aufs Gelände zu fahren – die Leute sind sonst ungehalten. Hier ist gar keiner, welcher nicht Tourist oder an sie irgend etwas verkauft – sage ich verwundert. Der Zeltplatz würde 50€ die Nacht kosten. Was sind denn das für Preise? Für ein kleines Stückchen Wiese für eine Nacht! Kurz nach der Wende hatte die Nordlichter hier oben auch so die Idee die Preise denen eines 5 Sterne Resorts anzupassen, ohne die entsprechende Gegenleistung zu bieten. Wir schauen erst einmal weiter. Hoffentlich ist die Corona bedingte Ostseeurlaubspflicht bald Geschichte.

Wir finden einen Platz, welcher gleich hinter der Düne und auch nachts offen. Schon sehr erfreut schaue ich auf die Preise. 10€ für den Tag und 25€ für die Nacht. Das meint 22-6Uhr. Angenommen du kommst vor zehn hier an und willst nicht vor 6 weg so zahlst du für einen Platz, welcher nichts bietet außer ihm selbst, 45€. Da erscheint der Campingplatz ja schon fast ein Schnäppchen. Wir übersehen dieses Angebot großzügig und fahren weiter.
In Prerow versuchen wir es auf dem Campingplatz. 🌍 Der ist gar nicht so einfach zu finden. Eine schmale Straße zwängt sich erst durch die Häuser und dann durch den Wald. Hier ist nichts mehr frei. Also Richtung Zingst. Kaum aus dem Ort ist ein Parkplatz, welcher es durchaus erlaubt seine Fahrtüchtigkeit wieder herzustellen. Auch wenn es 24h dauert. Das Ganze für 12€. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal freuen könnte für einen Parkplatz 12€ auszugeben. 🌍
Interessant sind auch die zwei Tafeln, welche dir erklären wie du einem Parkplatz zu benutzen hast und wie das so generell mit dem Strand ist. Nichts scheint mehr selbstverständlich zu sein.
Nur schnell Parken und zum Strand.
Das Meer haben wir bis jetzt noch gar nicht richtig gesehen. Am Strandzugang sind Toiletten – sogar recht sauber und ohne Endgeld. Nicht viele Leute sind am Strand. Bei 90% Regenwahrscheinlichkeit fährt man ja nicht unbedingt ans Meer. Bei dem Wind der hier herrscht, bist du ja sofort auf einer Seite nass. Wir gehen zu Fuß nach Prerow.
Je näher du dem Ort kommst, desto größer ist die Menschendichte.
An der Seebrücke biegen wir ins Landesinnere. 🌍
Mein erster Eindruck, verhungern wirst du hier nicht. Ansonsten hat es hier das Flair wie man ihn von heutigen Seebädern her kennt. Kleine Läden mit ortstypischen Zeug, oder dem was die Urlauber dafür halten. Keine mondänen Bauten der Zeit der Kaiserbäder. Eher alles architektonisch unscheinbar. Markanter ist sicher das Parkplatzproblem. Im Prinzip sind sie nicht vorhanden oder teuer bezahlbar. An wen die Geschäfte ihr Zeug und die Restaurants ihr Essen verkaufen, wenn du hier zwar her kommst….
Immerhin gibt es auch noch ein wenig Kultur – oder Bildung. Eine kleine Fotoausstellung. Wir wissen jetzt wer der letzte Fischer war. Ich fühle mich wissend doch auch wieder nicht wissend, was ich mit meinem neuen Wissen mag anfangen können. So hoffe ich die ganze Zeit, dass jemand kommt und fragt.
Wir tingeln ein wenig den Corso entlang und decken uns mit ein paar Lebensmitteln ein. An einem Fahrradverleih fragen wir einfach mal was es kostet. Am günstigsten 6€ und ab 17Uhr bis 18Uhr morgen. Ich bin erstaunt. Das hier. Klar schlagen wir zu. Nun langsam zurück. Leider getrennt, da wir nur ein Fahrrad haben. Meins ist im Bus.
Schell wird das Fahrrad aus dem Bus gehoben und ab geht es in die andere Richtung. Der neu asphaltierte Fahrradweg geht oben auf dem Inlanddeich. Viel sehen tust du hier nicht. Rechts die Straße, links den Küstenschutzwald und von vorne ein Heer an Fahrradfahrern. Zingst liegt näher am Meer als Prerow. An der Seebrücke ist das eine Ende der Achse der Magistrale. 🌍 Das andere Ende steckt in dem Versorgungstrakt des Ortes.

Gleich unten neben der Seebrücke ein Lokal, welches mich locken könnt, wär schönes Wetter. Ein kleiner Spaziergang durch den Ort. Auch schauen wir bei den beiden Möglichkeiten zum Campen vorbei. Nun zurück. Schon fängt es an zu regnen. Die ganze Nacht lassen die Wolken ihre Last fallen und der Wind stobt übers Land. Wie gut ein Obdach zu haben.


Am Morgen ist das mit dem ärgsten Regen vorbei. Nur noch ab und zu fegt ein Niesel über uns.

Damit kann ich leben. Die Menschen, welche am Strand Aktivitäten anbieten eher weniger. Hier ist nichts los. Doch irgendwie schön und man fühlt sich wie der erste, ja wie der einzige Mensch.

Noch nie war ich gewesen an des letzten Zipfels End im Norden genannt Darßer Ort. Das ist ein Naturschutzgebiet in der Schwemmsandzone. Ein Weg solle dahin führen. Der gestrige Regen hat schon so seine Spuren hinterlassen, welche das Fahrradfahren nicht wirklich angenehmer gestallten. Doch ich bin zufrieden. Grad regnet es nicht.

Alles steht im satten Grün. Nur das Heidekraut hebt sich hervor.

Hier oben noch einen Hafen zu finden erstaunt uns ein wenig. 🌍 Dieser wurde eher als Nothafen für alle Fälle eingerichtet. Doch anscheinend ist damit auch die Not der Fischer gemeint, nicht verhungern zu wollen.

Bei der Hafenausfahrt ist dann auch Schluss. Hier beginnt die Kernzone des Nationalpark. Nur Gestalten ohne jegliche Papiere dürfen hier durch.

Auch mit dem Fahrradfahren ist Schluss. Ein Bohlenweg geleitet dich über nasses Land.

Die Aussicht am nördlichsten Punkt des Weges auf die sich ständig verändernde Küstenlinie. 🌍

Der Weg schwenkt Richtung Westen und quert eine Dünenlandschaft bis hin zum Strand. Auch hier ist der Strand Richtung Norden gesperrt. Aus der Ferne sehen wir eine riesige Kolonie von – was auch immer.

Kurz geht es am Strand entlang bis zum Leuchtturm. 🌍 Gut, dass das dran steht. Das ortsansässige Café offeriert leider nur Kaffee für diejenigen, welche das Museum besichtigen. Irgendwie blöd.  Wir gehen Zurück zu unseren Fahrrädern.

An der Ostseite des Nationalparkes ist ein riesiger Campingplatz. Mitten in den Dünen. Das hätte ich nicht erwartet. Zumal die Dünen dem Küstenschutz dienen. Ein Trecker zieht dir bei Bedarf deinen Wohnwagen in die Dünen. Campervans können das nicht. Diese müssen etwas abseits im Walde stehen, wie auch all die Autos. Doch der Strand ist toll. Heuer suchen sie wohl Bernstein und sieben dazu die stinkenden Reste von Algen mit ihren Fingern.

Unsern Parkplatz müssen wir räumen. Wir haben uns auf dem Campingplatz in Zingst eingemietet. 🌍 Zum einen wollen wir mal wieder richtig duschen und zum anderen bietet dieser Sauna und Schwimmbad. Auch unsere sämtlichen Abwasserbehälter sind voll. Eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielt auch das Wetter. Dunkle Wolken kommen übers Land.

Der Zeltplatz ist toll. Wir ergattern einen Platz im Schwimmbad und einen in der Sauna. Es dürfen immer nur 10 Leute rein. Da siehst du viele enttäuschte Gesichter. Ein Spaziergang durch die Stadt wird vom Wetter verleidet und wir kehren um.


Am Morgen beeilen wir uns nicht großartig. Die Heimreise steht an. Wir stoppen in Ahrenshop. Der Parkplatz ist nicht für Wohnmobile, doch ist kein anderer da. Mit unserm Teil passen wir ja auch locker drauf. Ist eher für die großen Teile relevant. Doch der Preis ist ein wenig überzogen, finde ich. Beim Weg zum Strand entdecken wir noch einen 2h Parkplatz oben an den Dünen. 🌍 Also Den Wagen geholt und einen Teil der bezahlten Parkzeit verschenkt.

Häuser stehen malerisch in den Dünen. Die armen Leute die hier wohnen. Müssen das ganze Jahr diese Aussicht ertragen. Doch wir glauben, dass hier keiner mehr wohnt. Alles was zu Geld zu machen ist wird getan. So sind das vermutlich Ferienwohnungen.

An dieser Stelle der Küste versucht das Meer energisch sich des Strandes Sand zu bemächtigen um ihn dann am Ende der Halbinsel abzulagern. Um nicht den Ort zu verlieren sind mächtig Buhnen im Wasser um der Wellen Kraft zu bändigen.

Ein paar Meter weiter ist die Steilküste. Hier sieht man jährlich die Veränderung. Früher waren hier Anlagen zur Sicherung des Reiches aufgestellt. Diese sind nun Geschichte wie das Reich auch. Die Wellen haben sie geholt. Der Weg geht nicht mehr weiter und auch unser Ausflug ist zu Ende. Jetzt ist nur noch der leidvolle Weg durch die Staus aller Heimreisenden vor uns.

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