Bali (8) 🇮🇩

Indonesien

Sanur zu Zeiten des Vulkanausbruchs ist nicht minder anstrengend als zu Hochsaison. Die gesamte zur Verfügung stehende Dienstbereitschaft steht nun uns allein zur Verfügung, was unseren Geist wie auch unseren Geldbeutel überfordert.

Jeder lässt nun mit sich handeln und bietet von sich aus Preise an, die er sonst nie geboten. Die Straße langzulaufen gestaltet sich nicht minder anstrengend, weil du wirklich jedem erklären musst, dass du grade keinen Transport, keine Massage, kein Hunger, keine Sonnenbrille, keinen Drink, keinen Führer, keinen Hut… brauchst. Die Besitzerinnen von diesen kleinen Souvenirshops werfen sich vor dir in den Staub, mit der Bitte, sich in dem Laden umzusehen. Selbst die kleinste Kleinigkeit zu kaufen, würde sie glücklich machen.

Jedes Taxi auf der Straße macht eine Vollbremsung beim Gewahr werden deiner. In jedem der unzähligen Restaurants sind die Grills angeworfen, die Pfannen heiß, alle stehen zur Verfügung, den ganzen Tag und die ganze Nacht nur auf uns hoffend. Wir beide müssen das der ausbleibenden Millionen Touristen allein auf unseren Schultern tragen. Dafür bin ich nicht geboren. Das ist anstrengend, in dieser Bettelwortwolke die Insel zu genießen. Schlimmer noch als die kleinen Angestellten sind die Besitzer der Läden, die die Angestellten beschimpfen und erniedrigen dafür, keinen Umsatz gemacht zu haben. Wie denn auch. Wir sind die Einzigen in der Infrastruktur dieses Ortes, welche für Hunderttausende gedacht.

Sieht man davon ab, so ist die Insel landschaftlich wunderschön. Wie es eine Insel so an sich hat, ist sie gesäumt an jeder ihrer Seite durch Meer, welches weich und warm an den Strand spült. Ideal um in den Sonnenuntergang zu treiben, die Seele baumeln zu lassen, wenn der Weg zurück zum Hotel nicht wäre.


Ein Gutes hat die Touristenlosigkeit aber auch. Überall bist du allein und kannst dir Zeit und Ruhe nehmen, alles anzusehen.

Wir mieten ein Taxi für eine Tour. Erst schien er ja sehr froh, dass wir uns für ihn entschieden haben. Später wurde ihm wohl bewusst, welchen verzweifelten Preis er uns offerierte. Das strengte mich auch schon wieder an. Hier regiert das Geld. Hat es aus dem Paradies eine unpersönliche Bank gemacht. Hier unten auf jeden Fall.
Der Fahrer schweigt und wir fühlen uns unwohl. Alsbald fragt er, ob wir uns für Kaffee interessieren, der einem Tier, Mungo gleich, hinten rausgekommen ist.

Wer wollt nicht schon immer mal etwas probieren, was auf diese Art und Weis durch ein Tier gejagt wurde. Skeptisch und aus Furcht, einen Amoklauf auszulösen, stimmen wir zu. Kaum ist die Tür geöffnet, stehen sie bereit. … Uns wird natürlich gesagt, dass alles für lau ist. Wer kennt das nicht? Umsonst bekommst du gar nichts. Wir lassen uns geduldig einführen in verschiedene Kaffeesorten und wie das Tier sie aufnimmt und wie es aussieht, wenn sie wieder rauskommen. Ehrlich gesagt würde ich lieber zusehen, wie eine Mango von einem lächelnden Mädchen gepflückt wird, um folgend vor meinen Augen, von dieser, zu mundgerechten Stücken verarbeitet zu werden.
Wieder zurück in den balinesischen Urwald.

Du bekommst ein Tablett mit 12 Tee wie auch Kaffeekreationen, welche du natürlich begutachten musst. Bis hierher ist noch kein Geld verlangt. Leider kommst du nicht umhin, auch diesen Kaka-kaffee zu probieren, welcher für eine kleine Tasse 5€ aus deinem Portemonnaie lutscht.
Ok was soll ich sagen. Schmeckt anders und nicht wirklich nach … aber meins ist es nicht.

Wir kommen in die Berge um Ubud. Eine kleine Stadt an einer Schlucht und umringet von Reisterrassen. Hier besichtigen wir einige sehr schöne Tempel.

Unser nächster Anlaufpunkt sind die Königsgräber. (Ich lass jetzt hier immer dieses oben Beschriebene weg, was natürlich an jedem von Touristen besuchten Ort vorhanden) Von dem Parkplatz schlängelt sich der Weg in etlichen Stufen den Hang herunter. Rechts und links bilden Reisfeld-Terrassen eine wunderschöne Kulisse.

Unten am Fluss, über den eine kleine Brücke führt, sind die ersten Königsgräber.

Monumental in den Fels gehauen.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses das Pendant. Von allen Seiten strömen kleine Rinnsale nach unten und machen die Luft angenehm kühl.

Das ganze Dorf trifft ein, um ein Ritual abzuhalten, welchem wir aus Zeitmangel nicht beiwohnen können.


Unser Fahrer hat sich, behaupte ich mal, in sein Schicksal ergeben und fragt nur noch »was als Nächstes?«

Wir fahren Richtung des Tempels Taman Ayun Temple Mengwi durch wunderschöne Landschaften.

Tiefe tropische unberührt scheinende Täler, Hochebenen, bewirtschaftete Hänge, kleine Ortschaften, in denen sofort zu sehen, welch Handwerk ein jeder ausführet.

Fraglich ist nur, wer denn dies alles kaufen möchte. Wir haben beschlossen, gar nichts zu kaufen.
Der größte Höhepunkt meines Bali Aufenthaltes ist und bleibt der Nachtmarkt. Der Name lässt vermuten, dass dieser nur Nachts geöffnet hätte. Er öffnet um 18:00 Uhr. Da die Sonne um diese Zeit auch schon untergeht, wäre es dort dunkel wie die Nacht, wenn nicht die ganzen Grillfeuer die Szenerie erhellen würden. Es wird gegrillt, frittiert, geschält, gemixt… Hier sitzt du dicht gedrängt zwischen den Einheimischen und isst für kleines Geld Dinge, die sie dir näher brachten.

Freudig erklären sie uns Nichtwissenden, was in den Speisen und wie sie wurden zubereitet. Beim ersten Bissen schauen sie alle auf dich und deine Reaktion. Sobald du wohlwollend lächelst, geht ein anerkennendes Nicken über den ganzen Tisch. Alle sind glücklich in diesem Moment und du fühlst dich der Last befreit. Diese Art von Markt vermisse ich sehr in Berlin. Leider würden die überstrengen Hygienevorschriften so einiges leckeres verhindern, wovon hier noch niemand gestorben.
Die zwei Tage Bali sind sehr schnell verflogen und heute, bzw. morgen früh um ein Uhr in der Nacht geht unser Flieger. Wir dümpeln am Strand in den Sonnenuntergang und stärken uns ein letztes Mal auf dem Markt.
Ja, tschüss Bali. Du bist eine schöne Insel und hast doch so einiges verloren.
Nun ordern wir ein uber Taxi, welches von den ansässigen Taxifahrern, die total überhöhte Preise nehmen, verscheucht wird. Unglaublich, und dann denken sie, wir buchen sie. Ein vorbeifahrender Taxifahrer war in Ordnung und hat uns zu einem realen Preis zum Flughafen gefahren. Da bekommen wir die unterschiedlichsten Informationen zu Flüssigkeiten und so verschwindet die teure Ökosonnenkreme wegen 25ml zu viel im Mülleimer. Wir kaufen etwas zu trinken und dürfen es nicht mit in den Flieger nehmen. Ich bin durch. Bloß raus hier.

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